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Sergey Starostin - "Zhyli-Byli"

Hierzulande sind Sergey Starostin's Zusammenarbeiten mit Mari Boine zwar recht bekannt, doch in Russland gehört er schon seit Jahrzehnten zu einem der einflussreichsten Musiker seiner Generation. Dort begann die Karriere von Sergey Starostin vor mehr als 35 Jahren. Als Klarinettist des "Moscow Art Trio" machte er in Russland hauptsächlich Jazz, doch beschäftigte er sich schon damals nebenbei mit der folkloristischen Musik seines Heimatlandes.

Sergey Starostin - "Zhyli-Byli"

Im Laufe seines Lebens rückte dieses Interesse immer mehr in den Vordergrund. Auf ausgedehnten Reisen in die entlegensten Winkel des Vielvölkerstaates suchte er nach alten Liedern, die in Gefahr waren, gänzlich vergessen zu werden. Mehr als 3000 Titel konnte er auf diese Weise zusammentragen. Seine Sammlung von Volksmusikgut ist heutzutage einzigartig. Als Kapazität auf diesem Gebiet wurde Starostin Mitte der 90er Jahre Moderator einer langjährigen Sendereihe über die Volksmusik Russlands.

Sein neues Album "Zhyli-Byli" steht ganz im Zeichen seiner Kenntnis dieser Musik und ihrer gesellschaftlichen Bestimmung. Damals wurde bei Dorffesten oder während der Ernte auf den Feldern gemeinsam gesungen. Und auf diese Weise wurde Liedgut von Generation an Generation weiter gereicht. Eine kleine Auswahl aus seiner Sammlung stellte Starostin 2007 zusammen, um sie während einer kurzen Konzertreise dem Publikum vorzustellten.

Die Texte dieser fremdartigen und archaischen Lieder handeln von einfachen Dingen des Lebens, von unerfüllter Liebe, dem Glauben an Gott und ertragreichen Ernten. Doch liegt in der Art und Weise, wie Sergey Starostin und seine Mitstreiter, die Schwestern Taisia und Olga Krasnopevtseva und der Flötist Sergey Klevensky, dies zelebrieren, nichts Verstaubtes oder Museales. Ganz im Gegenteil, diese verborgene, wehmütige Musik wird mit leidenschaftlicher Begeisterung gespielt.

Gerade das abwechslungsreiche Zusammenspiel zwischen mehrstimmigem Gesang – der für dieses Liedgut sozusagen obligatorisch ist –, seltenen Flöten und dem Hurdy-Gurdy sorgen dafür, dass der musikalische Reichtum der folkloristischen Musik Osteuropas in seiner ganzen Kraft in die Gegenwart hineingetragen wird.

Das Quartett um Sergey Starostin versteht es, auf "Zhyli-Byli" den fremdartigen Erfindungsreichtum dieser Musik aus der Vergangenheit zu rekreieren. Ein kraftvoller, archaischer Kosmos breitet sich vor dem Hörer aus, der es durchaus mit vielem, was sich heutzutage "modern" nennt, aufnehmen kann.

Michael Freerix

CD: Sergey Starostin - "Zhyli-Byli" (Jaro Medien JARO 4304-2)

Jaro Medien im Internet: www.jaro.de

Cover: Friedel Muders

© jazzdimensions 2011
erschienen: 18.4.2011
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