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Bassekou Kouyate & Ngoni ba
- "I Speak Fula"

Bassekou Kouyate wurde 1966 in dem kleinen Dorf Garana am Ufer des Niger in Mali geboren. Seine Mutter ist Sängerin, sein Vater und seine Brüder sind begnadete Ngoni-Spieler. So ist es kein Wunder, dass auch Bassekou sich mit 12 Jahren dem Spiel dieser afrikanischen Bogenharfe widmete...

Bassekou Kouyate & Ngoni ba - "I Speak Fula"

Die Ngoni ist historisch in der Griot-Kultur verankert. Die Griots sind die Bewahrer der Geschichte. Sie singen Balladen und erzählen Geschichten, zu denen sie trommeln und tanzen. Bei vielen traditionellen Zeremonien ist die Anwesenheit von Griots erforderlich. Ursprünglich wurde die Ngoni ausschließlich im Sitzen gespielt und bestand aus einem Kürbis als Resonanzkörper, an dem ein Hals aus Holz befestigt und mit vier Saiten bespannt war.

Kouyate war einer der ersten, der das Instrument im Stehen und sich damit bei Konzerten in den Vordergrund spielte. Doch der sehr limitierte Klang der ursprünglichen Form der Ngoni reichte ihm bald nicht mehr aus. Er baute sich Instrumente, die sich in Größe und Form stark vom Original unterschieden. Damit wurden Klangfarbe und Stimmumfang erweitert, was Kouyate ermöglichte, musikalisch neue Wege beschreiten zu können. Seine Band, Ngoni Ba, spielt diese modernisierten Ngoni und klingt damit wie ein ganzes Harfen- oder Banjoorchester.

Bevor Bassekou Kouyate 2007 mit "Segu Blu" sein Debüt veröffentlichte, hatte er sich als Begleitmusiker von so unterschiedlichen Künstlern wie Ali Farka Touré, Taj Mahal, Carlos Santana, Bela Fleck, Dee Dee Bridgewater oder Ry Cooder einen Namen gemacht. Wie schon der Vorgänger "Segu Blu" ist "I Speak Fula" von einem großen Abwechslungsreichtum gekennzeichnet.

Selbstverständlich taucht die Bambara-Musik, die in Europa als "Desert-Blues" bekannt ist, immer wieder auf. Doch bereits diese meditativen Stücke werden vom flirrenden Klang der Ngoni dominiert. Hell und nervös springen einen die Töne dieses – noch immer – kleinen Instrumentes an und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.

Kouyate scheut sich nicht, Traditionelles mit Modernem zusammen zu bringen. "I Speak Fula" ist geradezu ein Statement von Kouyates kultureller Unabhängigkeit, denn er gehört zwar dem Volksstamm der Bamana an, spielt aber nicht nur deren traditionelle Musik, sondern die aller in Mali ansässigen Völker. Und immer wieder erklingt die elektrische Gitarre im Zusammenspiel mit der Ngoni und zaubert eine freudige, lebensbejahende Stimmung in den Raum.

Durch Ali Farka Touré ist die Musik Malis in Europa geradezu populär geworden. Bassekou Kouyate könnte, obwohl sein musikalischer Ansatz grenzüberschreitender ist, sein Erbe antreten. "I Speak Fula" strahlt eine Wärme und Lebensenergie aus, die süchtig macht.

Michael Freerix

CD: Bassekou Kouyate & Ngoni ba - "I Speak Fula" (Out Here Records OH 013CD)

Bassekou Kouyate im Internet: www.myspace.com/bassekoukouyate

Out Here Records im Internet: www.outhere.de

Cover: Felix Kempf/Thomas Dorn

© jazzdimensions 2010
erschienen: 9.1.2010
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