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Tribesmen - "cry me a river"

“No rights - just fights” - inhaltlich bewegen sich die ‘Tribesmen’ mit ihrer Mischung aus Pop, Jazz und indianischer Musik auf bekannten Pfaden: Die Unterdrückung der Urbevölkerung Nordamerikas, die ‚Knechtung von Mutter Erde’ und ‚Eya Eya Eya E Yai’. Die Frage ist, kann die Musik überzeugen?

Auf der CD finden sich primär Musiker zusammen, die im Jazz zuhause sind: In Amerika gebürtig sind Mack Goldsbury (sax), Reggie Moore (p) und Kevin Burrell (perc). Wobei sowohl Goldsbury als auch Moore seit einigen Jahren in Berlin leben und der lokalen Jazzszene treibende Impulse verleihen konnten. Martin Lillich (db) und Ernst Bier (dr) kommen aus Deutschland, auch sie leben in Berlin.

Der als Featuring erwähnte Pete „Wyoming“ Bender bringt seine ‚indianische Seite’ ein. In Elsass-Lothringen geboren und in den USA aufgewachsen, lebte er in Alaska, North Carolina und in verschiedenen Reservaten der Lakota. In seiner Musik, die er als „Native American Rock“ bezeichnet, verarbeitet er diese Lebenserfahrungen und kann im Laufe der Jahre auf die Zusammenarbeit mit Größen wie Alexis Korner zurückblicken.

Greifen die Texte thematisch, wie oben beschrieben, auf geläufige Ansätze zurück, so erinnern typische Rhythmen und die weise-warme Stimme Benders, die lange Strecken dominiert, an den indianischen Ursprung der Musik. Sie löst sich jedoch häufig soweit von diesen Wurzeln, dass sie nurmehr als Facetten im Hintergrund erkennbar bleiben. Das Ergebnis kann dann schon mal, wie etwa bei Jim Peppers „Coming & Going“, stark an Pop erinnern. Daneben gibt es aber auch Songs, z.B. „Akicita Chant“, die sehr traditionell wirken. Bei all dem ist die Musik meist relativ einfach strukturiert, so daß typische Jazzelemente, beispielsweise ausgedehnte Instrumentensoli oder Improvisationsphasen, nur ansatzweise erkennbar sind.

Laut Covertext möchte ‚Tribesmen’ „den Spirit und die Musik der nordamerikanischen Indianer jenseits aller Klischees“ präsentieren. Dies gelingt nur in Ansätzen. Zu häufig wirken die verschiedenen Elemente aufgesetzt, weniger miteinander verzahnt, als vielmehr aneinandergereiht. Das jedoch eine naturgewachsene Mischung möglich ist, zeigt der Titel-Track „Cry me a River“: Jeder Stil scheint anklingen zu wollen, der Gesang ist mal indianisch introvertiert, mal jazzig extrovertiert, die Instrumente entfernen sich oder folgen einer Idee. Eine Orientierung an diesem Ziel hätte der CD, die sehr verschiedene Stücke in sich vereinen wollte, im Ganzen möglicherweise besser getan.

Jan Lautenbach

CD: Tribesmen - "Cry me a river" (Bella Musica BM 31.6522)

Mehr Infos im Internet: www.jazzdrumming.de

Cover: n.n.

© jazzdimensions2003
erschienen: 5.2.2003
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