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Michael Robinson - "Kaunsi Kanada, Gangadhara, Puriya Dhanashri, ..."
(Diverse Alben)

Michael Robinson hat sich, so scheint es zu sein, eine Lebensaufgabe gesetzt: nicht mehr und nicht weniger, als die Auseinandersetzung mit der Tradition indischer Musik und deren Umsetzung mittels moderner Technik. Kompositionen auf der Grundlage indischer Ragas und deren Durchführung mit Hilfe von MIDI-Sequencing wählte er zum passenden Weg, der sich inzwischen auf rund fünfzig selbstverlegten, mit liebevoll im Siebdruckverfahren handgedruckten Covern versehenen Alben niederschlägt.

Michael Robinson - "Puriya Dhanashri"

Die Verwendung selbst aufgenommener Samples indischer, afrikanischer, indonesischer, lateinamerikanischer und anderer Musikinstrumente – die Robinson tatsächlich besitzt und auch spielt – erweitert das gewohnte Soundspektrum dieser akribisch programmierten, computerbasierten Umsetzung mit zum Teil täuschend natürlich wirkenden Klängen..

Kernpunkt indischer Ragas ist in erster Linie ihre transzendentale Bedeutung – immerhin stellt der Raga die Grundform der klassischen Indischen Musik dar –, sie werden verwendet als Basis für Improvisation und Komposition. Über Jahrtausende entwickelt, gilt der Raga noch heute als vitale, und sich stets weiterentwickelnde Form kreativen musikalischen Ausdrucks.

Michael Robinson - "Gangadhara"

Michael Robinsons Ansatz, der mit Hilfe eines Computersystems die Grundlage der Ragas – pure Melodie und Rhythmus – bis in sphärische, übermenschliche Weiten steigert, erlegt ihm kaum Grenzen auf. Seine Musik ist schön, zeitlos, läßt jedoch bewußt das Live-Moment, also den individuellen menschlichen Ausdruck, die spontan-expressive Komponente vermissen, die beispielsweise das Spiel eines Jazzmusikers so einzigartig macht.

Zurück zur Musik, ohne Robinsons lang und breit – und durchaus aufschlussreich! – erläuterte musikalische Herangehensweise und die sich auftuenden Differenzen zwischen Jazz und indischer Musik weiter zu vertiefen: So gut geeignet diese Aufnahmen auch sein mögen, um das Wesen der Ragas zu vermitteln, zu transportieren, und so sehr Michael Robinson auch eine unglaubliche Vielfalt in den von ihm produzierten Alben offenbart – mir persönlich fehlt genau das Live-Moment, die lebendige Intensität, das Mitgerissenwerden weil man mit den Musikern fühlt, ihre Extase miterleben kann – wie beispielsweise bei einem der unvergesslichen Konzerte von "Shakti".

Michael Robinson - "The Listening Earth"

Michael Robinson hat eine beachtenswerte Nische für sich gefunden, in der er sein Lebenswerk ausführlich dokumentiert – in einer Tiefe, die über das Maß einer Doktorarbeit hinausgeht. Der Rezensentin stellt sich allerdings die Frage: kann das Herz der indischen Musik in dieser Abstraktion durch einen Menschen und sein Midi-Programm abgebildet werden?

Betrachtet man Michael Robinsons Weg als einen von vielen denkbaren, so ist sein Werk eine musikalische Bereicherung – aber nur dann. Als Einstieg für jetzt immer noch – oder erst recht? – neugierig Interessierten sei die Compilation "The Listenig Earth" empfohlen.

Carina Prange

CDs:
Michael Robinson - "The Listening Earth"
(Azure Miles 3010)
Michel Robinson - "Kaunsi Kanada" (Azure Miles 3019)
Michael Robinson - "Puriya Dhanashri" (Azure Miles 3027)
Michael Robinson - "Gangahara" (Azure Miles 4002)

Michael Robinson im Internet: www.azuremilesrecords.com

© jazzdimensions2003
erschienen: 14.4.2003
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