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Värttinä - "Vihma" / "Ilmatar" (Doppelrezension)
von Maximilian Vollendorf

Wenn man Freunden diese Musik vorstellt und sie nach der Herkunft der geheimnisvollen, archaisch anmutenden Stücke raten läßt, siedeln sie diese vielleicht in Bulgarien, der Mongolei, Ungarn, Irland oder gar im arabischen Raum an. Man erntet in unseren Breitengraden großes Erstaunen, wenn man das Rätsel auflöst - und Finnland als Ursprungsland nennt.

Värttinä - "Vihma"  Värttinä - "Ilmatar"

Värttinäs zwei letzte Veröffentlichungen "Vihma" (1998) und "Ilmatar" (2001) markieren Meilensteine in der Musik dieser Gruppe. Värttinä verfolgt und vertieft die Erforschung karelischer und finno-ugrischer Traditionen, verbindet alte finnische Volkslieder mit modernen und dennoch eigenwilligen Arrangements. Die zehnköpfige Band setzt traditionelle Instrumente wie Kantele, Bouzouki, Akkordeon, Banjo oder Fiedel ein, die durch Bass, akustische Gitarre und vor allem durch das druckvolle Schlagzeug - gespielt von Marko Timonen - ergänzt werden. Im Vordergrund stehen die vier Sängerinnen Susan Aho, Mari Kaasinen, Kirsi Kähkönen und Sirpa Reiman bzw. Riikka Timonen, die durch ihre Stimmen die Zuhörer verzaubern.

 

Värttinä - "Vihma"

Das Titellied "Vihma" der gleichnamigen CD handelt von vier jungen Mädchen, die Schutz vor der unfreundlichen Kälte finnischer Winter suchen. Sicherlich ein typisches Thema dieser Breitengrade, aber es wird ziemlich heiß, wenn man dieses Lied anspielt.

Värttinä - "Vihma"

"Vihma" liegt auf dieser CD in zwei Versionen vor - "normal" und als Remix. Letzterer ist mit elektronischen Zutaten angereichert, und damit durchaus clubtauglich. Andere Lieder wie "Laulutyttö" handeln von ländlichen Feiern, Frohsinn, Tanz und Trinkgelagen. Die Rythmen wechseln oft vom 4/4- in einen 7/8- oder einen 5/4-Takt - tanzbar, wild und faszinierend. Im Wechsel mit temperamentvollen Material interpretieren Värttinä schwermütige Lieder wie "Uskottu ei Uupuvani" in denen schwere Herzen und dunkle Stimmungen besungen werden. Mit "Vihma" gelang Värttinä 1998 nicht zum erstenmal der Sprung in die Top Ten der WeltmusikCharts des SFB 4 MultiKulti (Berlin), der Verdienst für eine außergewöhnliche Scheibe.

 

Värttinä - "Ilmatar"

Sängerin Sirpa Reiman wird Ende 1999 von Riikka Timonen ersetzt, im Jahr 2001 erschien das derzeit aktuelle Album "Ilmatar". Diese CD setzt weniger auf Chart-Breaker wie "Vihma", als vielmehr auf die weitere Erforschung alter finno-ugrischer "runo-styles" fort.

Värttinä - "Ilmatar" (Cover: Jari/nitrus bombsquad.org)

Runen sind nicht nur Schriftzeichen, sondern Reime, Lieder, die die Geschichte, Mythen der Vorfahren besingen. Värttina dehnen ihre neuerliche musikalische Entdeckungsreise auf weitere finnische Regionen, wie Setu, Mari, Ingria aus. Musikalisch ist diese Zusammenstellung insgesamt ruhiger als der Vorgänger, manchmal sphärisch, immer interessant. Ein herausragendes Lied ist "Käppee", à capella vorgetragen, mit dem Värttinä auch das letztjährige Berlin-Konzert während der WOMEX eröffnet hat.

Värttinä bringt uns ein Stück finnische Kultur näher. Finnland, von uns Mitteleuropäern oft als kaltes, kleines, kaum beachtenswertes Land verkannt, birgt doch so manches Geheimnis. Die Band macht neugierig, dieses Land, ihre Sprache, ihre Geschichte zu entdecken.

Maximilian Vollendorf

CD: Värttinä - Ilmatar (Wicklow Records 09026 63678 2)

Värttinä im Internet: www.hoedown.com

Wicklow Records im Internet: www.wicklowrecords.com

mehr über "runo-styles": www.hoedown.com/html/runo.htm

© jazzdimensions2001
erschienen: 21.1.2001
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