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Hüsnü Senlendirici & Laço Tayfa - "Çiftetelli"

Der Bandname Laço Tayfa bedeutet gute musikalische Energie und Zusammenarbeit. Ganz im Sinne dieses "Slogans" verbinden die Musiker türkische Roma-Musik verschiedener Stile mit arabischen Rhythmen, Jazzharmonien, nordafrikanischen Beats und indischen Tablaklängen. Und: das Ergebnis ist eine in sich ruhende Tanzmusik – mal schnell und lebensfroh, mal langsam und melancholisch.

Hüsnü Senlendirici & Laco Tayfa - "Ciftetelli"

Kurz erwähnt werden muß, daß die meisten live auftretenden Musiker der Türkei Roma sind – denn ursprünglich verbot der islamische Glaube den Türken das Musizieren. Gegenwärtig verwischen die musikalischen Grenzen im osteuropäischen Raum – doch die Roma blicken auf eine jahrhundertealte Musiktradition zurück, deren Notwendigkeit durch das ständige Vertriebenwerden von Land zu Land und Kontinent zu Kontinent zu begründen ist: sie sind schon zwangsläufig ein Volk der Artisten, der Musiker, der Künstler.

Zurück zu dieser CD: Wenn die Davul erklingt – ähnlich einem Schlagzeug hört sie sich an – und mit Percussion, Kanun (eine Art in der Hand zu haltender Zither) eine Einheit eingeht, fehlt nur noch der an die menschliche Stimme erinnernde Ton der Klarinette, um ein gemeinsames Ganzes zu erzeugen. Zusammen mit der Violine werden wir schon beinahe an Klezmermusik erinnert – wären da nicht noch das Keyboard, die Baßgitarre und die Baglama.

Hüsnü Senlendirici treibt seine Musiker zu großen Höhenflügen an - viele Stücke können mit einer sich atemberaubend steigernden Geschwindigkeit bei dennoch gleichbleibender Präzision aufwarten. Wer sich an seinen letzten Türkeiurlaub erinnert fühlen möchte, bekommt hier viel mehr geboten, als er erwartet: die ein oder andere "Popmusik-Romanze" und Tracks mit einer Komplexität, die ihresgleichen sucht.

Carina Prange

CD: Laço Tayfa - "Çiftetelli (Trad. Crossroads/Fenn 04104-960011)

Traditional Crossroads im Internet: www.traditionalcrossroads.com

Cover: Kenan Ünsal

Leserkommentar zu dieser Rezension:

Hallo,
Ich bin ein 23 Jahre alter Jazz Gitarre studierende Musiker. Ich bin seit 5 Jahren in Deutschland und habe davor 18 Jahre lang in Istanbul gelebt. [...] Ich wollte hier mitteilen, dass die Information [... in dieser Rezension ...] falsch ist...
Ich bin kein Muslim, aber weil ich in der Turkei aufgewachsen bin, kenne ich mich mit der Kultur gut aus. Musik hat immer einen grossen Stellenwert in Islamischer Kultur und Glauben besessen. Man braucht sich nur über "Derwisch" und Tasavvuf Musik (religiöse Musik) zu informieren, um zu verstehen, dass Musik weder verboten sein kann noch konnte.

Sogar der Ruf zum Gebet, der 5mal am Tag vom Minarett jeder Moschee gerufen wird, wurde nicht gesprochen sondern gesungen. Im Internet kann man vieles lesen und man kann selber gleich darauf kommen, dass die Info auf ihrer Seite leider falsch ist, und korrigiert werden sollte.

Leider wissen die Jazzer meist sehr wenig über die orientalische Musik. Die Musik hat zwar keine harmonische Entwicklung gehabt wie der westliche Jazz oder die klassische Musik, aber dafür besitzt sie viele komplizierte Rhythmen, über 300 Tonleitern und mehr entwickelte Tonleitersysteme. Dies wäre undenkbar, wenn Musik im Islam verboten wäre!!!!

Semih Yanyali (www.cazyapjazz.com)

Wir freuen uns über diese fundierte Rückmeldung, und die sich für uns hierdurch ergebende Möglichkeit einer Klarstellung.

Die Jazzdimensions-Redaktion

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erschienen: 20.4.2001
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