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Kudsi Erguner - "Ottomania"

Alle reden von Weltmusik, aber - was ist Weltmusik tatsächlich, was verdient diesen Namen? Wenn Weltmusik bedeutet, unterschiedliche "Welten", andersartige Kulturen miteinander zu verbinden; wenn der Begriff nicht pauschal nur für den Umstand verwendet wird, daß Musik aus verschiedenen, uns fremden Teilen der Welt stammt, dann ist Kudsi Erguners Projekt sozusagen ein Paradebeispiel.

Kudsi Erguner - "Ottomania"

Hier werden zwei Traditionenformen von Musik miteinander verbunden und damit treffen das "arabische Reich" und die "westliche Hemisphäre des Jazz" aufeinander. Genauer gesagt: die traditionelle türkische Sufi-Musik (deren Repräsentant insbesondere Kudsi Erguner selbst ist, der von seinem Vater als einer der wenigen das Spielen der Ney (Schilfrohrflöte) erlernte) tritt dem Jazz gegenüber. Und zwar hier eher die zeitgenössische Form der Freien Improvisation und nicht etwa beispielsweise der "klassische" New-Orleans-Jazz. Bekanntester Mitspieler hierzulande: Christof Lauer am Saxophon.

Was etwas merkwürdig anmutet, funktioniert durchaus, auch wenn gelegentlich das Schlagzeugspiel von Mark Nauseef und Christof Lauers Saxophoneskapaden die Sufimusiker an die Wand spielen. Wir müssen unser Ohr erst an diese Kombination gewöhnen - aber beim Hören der CD macht es richtig Spaß, immer wieder zu gucken, was da nun als nächstes wie zusammengespielt wird! Nicht so überzeugend war indes die Live-Version im Haus der Kulturen der Welt auf dem Festival "Jazz across the border". Der Schlagzeuger fiel etwas chaotisch und dissonant aus dem Rahmen und auch insgesamt klangen die Instrumente nicht zusammenpassend - das ist auf der CD-Einspielung so nicht der Fall!

Zurück zur CD also:
Besonders hervorzuheben ist neben Erguner Michel Godart, der z.Z. ohnehin als Überflieger in vielen Jazzprojekten gehandelt wird und mit seinem Serpent spieltechnisch (aber auch optisch) stets einen tiefen Eindruck von Präzision und Kunst hinterläßt. Das erste Projekt also, das sich an eine solche Kombination heranwagt - manches könnte verbessert werden: z.B. würden ein oder zwei weitere zusätzliche Sufimusik-Instrumente klanglich das Gegengewicht zum durchschlagenden Sax- und Drum-Ton vermutlich verstärken können...
Allemal ist es ein gelungener erster Versuch und eine runde Sache. Hut ab vor dem Mut für ein solches Projekt!

P.S: Die schöne CD-Verpackung ist übrigens eines genaueren Hinschauens wert!

Carina Prange

CD: Kudsi Erguner - "Ottomania" (ACT 9006-2)

ACT im Internet: www.actmusic.com

Cover: Katharina Kuhlmann

© jazzdimensions1999
erschienen: 7.10.1999
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