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Kluster - "schwarz (eruption)"

Das Jahr ist: 1971, die Farbe ist: schwarz. Gerade erst hat Conrad Schnitzler (der "Kaputtmacher", wie Klaus Schulze ihn nannte) Tangerine Dream verlassen müssen, da hat der Freigeist mit Dieter Möbius und Hans-Joachim Roedelius bereits ein neues Musikprojekt auf die Beine gestellt: Kluster.

Kluster - "schwarz (eruption)"

Kurz hintereinander erscheinen zwei Alben, doch als das dritte Album fertig ist, haben sich Möbius und Roedelius aus dem Staub gemacht und mit Michael Rother ein neues Projekt – Band kann man kaum sagen – auf die Beine gestellt: Harmonia. So erschien das dritte Album von Kluster, obwohl zusammen mit Möbius und Roedelius eingespielt, quasi als Soloalbum von Schnitzler.

Man versteht diese Fluktuation, wenn man sich die pochernde, vibrierende Improvisationsmusik von "schwarz (eruption)" anhört. Schnitzler ist Klangforscher im eigentlichen Sinn des Wortes: Von Anfang an interessieren ihn die geradezu unerschöpflichen Klangmöglichkeiten, die der synthetische Klangerzeuger bietet, nicht der schöne Klang, der damit zu imitieren ist.

Wo alle anderen das Instrument benutzen, um synthetisch "sinfonisch" zu musizieren, ist Schnitzler Anarchist, den das neue, das Unbekannte reizt. Er sieht sich eher als Nachfolger des Futuristen Luigi Russolo und erfindet dabei, neben den Klangforschern von White Noise, die industrielle Musik, oder "Industrial Music", wie es heutzutage heißt.

Als Klangforscher im Sinne der "Musique concrète" erforschte Schnitzler nicht die Geräusche des Alltags, sondern die synthetischen Geräusche, die der Synthesizer hervorbringen konnte. Außerhalb von Raum und Zeit beweist er auf "schwarz (eruption)", wie radikal er Ansätze, wie sie John Cage, Cornelius Cardew oder Jimi Hendrix angedacht hatten, durchformulierte.

Schnitzler ging weiter, ohne im Eigentlichen "unhörbare" Musik produzieren zu wollen. In diesem Sinn ist "schwarz (eruption)" eine Reise in die Welt des Klanges, des musikalischen Geräusches, bei nicht nur reine Lärmquellen, sondern synthetische und akustische Klangerzeuger zum Einsatz kommen und so etwas wie "schönes Geräusch" dabei entsteht. Heutzutage klingt diese Einspielung geradezu archetypisch.

Michael Freerix

CD: Kluster - "schwarz (eruption)" (Bureau-B Records BB 112)

Conrad Schnitzler im Internet: www.conrad-schnitzler.de

Bureau-B Records im Internet: www.bureau-b.com

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2013
erschienen: 23.4.2013
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