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Klaus Hoffmann - "Als wenn es gar nichts wär"
Buchrezension

Es ist immer so eine Sache mit Buchrezensionen. Denn wollte man insbesondere einer autobiografischen Schrift gerecht werden, müsste man eigentlich solange in Ruhe mit Pausen daran lesen, wie der Autor brauchte, um das Ganze zu schreiben. Was freilich nicht geht…

Klaus Hoffmann - "Als wenn es gar nichts wär"

Somit also der stets als unvollständig und oberflächlich zu verstehende Versuch, sich in diesem Falle dem Leben von Klaus Hoffmann anzunähern, wie er es in "Als wenn es gar nichts wär" beschreibt. Es ist eines seiner bekanntesten Lieder, nach dem das Buch benannt ist und das so beginnt: "Für einen Traum könnte ich fliegen, für ein Lied zu Grunde gehen…"

Und diese beiden Zeilen symbolisieren bereits einen Großteil des Lebens von Klaus Hoffmann. Er, der mit zehn Jahren seinen Vater verlor und im Leben oft Ersatzväter und väterliche Freunde finden sollte, den eigenen Vater aber nie mehr, flüchtete sich auf der Suche nach ihm in Traumwelten. Bei der Beerdigung hatte er nicht dabei sein sollen, denn "sie wollten mich schützen und nahmen mir jeden Schutz", so beschreibt Hoffmann, was das für ihn bedeutete.

Die kreative Ader des Vaters jedoch, seine Musik, die trägt er im Herzen, ein Leben lang. Klaus Hoffmann wird wie kein anderer zum Erzähler der Geschichten aus Westberlin, heute, in einer Zeit mit ungeteilter Großstadt Berlins wendet er sich mit seiner Musik dennoch nicht an die "Ewig-Gestrigen", sondern sucht immer von neuem nach Dingen und Geschichten: Dingen und Geschichten, die ihm oft die Suche nach dem Kind in sich verrät, die Rückschau in die ersten Lebensjahre.

Hoffmann, der Denker, der Träumer, der als Kind so gern ins Kino ging und später das Kopfkino in so manchen Liedtext verwandelte, hat uns viel geschenkt. Er, der Wortliebhaber, der Zweifler, der sich nicht vorwiegend als großer politischer Sänger verstand, sondern unsere Hoffnungen und Nöte, unser Unverständnis, die Probleme der sogenannten "kleinen" Leute und somit unser eigenes, "normales" Leben in wunderbare Liedtexte goss. Und das war und ist ihm möglich, weil er auch einer ist, der alleine für sich alles durchdenken muss, der sich ein Bild macht, seine Empathie für die Menschen um sich herum in Songs umsetzt.

Diese Umwelt, diese Menschen, die ihm sicher manchmal zuviel sind, die als Publikum in seine Konzerte strömen, die jetzt seine Autobiografie lesen werden. Denn völlig unprätentiös, mit Wortwitz und viel Leichtigkeit – aber auch Nachdenklichkeit – beschreibt er sein Leben, das nicht immer einfach war, eben "als wenn es gar nichts wär".

Carina Prange

CD: Klaus Hoffmann - "Als wenn es gar nichts wär" (Ullstein Buch ISBN 978-3-550-08851-3)

Klaus Hoffmann im Internet: www.klaus-hoffmann.com

Ullstein Verlag im Internet: www.ullstein.de

Cover: www.buero-jorge-schmidt.de

© jazzdimensions 2013
erschienen: 24.5.2013
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