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Gleis 8 - "Bleibt das immer so"

Es sei ein Neuanfang, betont AnNa R.: bei "Gleis 8" handle es sich um eine Band, in der sie einfach die Sängerin sei. Anders also als beim Duo Rosenstolz, der 80er Underground-Ikone mit Breitenwirkung, will oder muss sie sich hier nicht in den Vordergrund stellen. Dass Gleis 8 dennoch mit Rosenstolz verglichen wird, ist wohl unvermeidlich. Tun wir's also…

Gleis 8 - "Bleibt das immer so"

Bereits wenn beim Aufmacher "Ändern" der Gesang einsetzt, ist klar, dass hier 50% von Rosenstolz zu hören sind – die Stimme von AnNa R. ist zu prägnant, um diese Assoziation zu vermeiden. Ganz anders jedoch die Musik, bei der zuerst zart mit Harfe und Cello gearbeitet wird und die im Refrain nur haarscharf am Bombast vorbeischrammt. Zweifelsohne professionell gespielt und arrangiert, aber im Grunde zu perfekt (oder zu kalkuliert?), um echt charmant zu sein.

Diese Scharte wetzt Gleis 8 beim folgenden Stück "Die Chance" halbwegs aus, wo (der Hörerwartung entgegen kommend) mehr Keyboards und dankenswerterweise keine Chöre seitens der Band zu hören sind – solch Verzicht täte weiteren der Songs auch gut. Das Titelstück z.B. ist ansprechend, aber die Gruppe ist auch hier weit vom Ausschöpfen ihres Potentials entfernt, das immer dann durchschimmert, wenn sie sich nicht anstrengt und die Stimme featured, anstatt – Studioprofis halt... – über noch eine weitere Ausschmückung des Arrangements nachzusinnen.

Beispiele, wie das dann klingt, gibt es gerade in der zweiten (guten) Hälfte der Platte, wie das charmante "Ich lieb dich nicht", das gradlinige "Hier" (potentieller Bühnenhit), das zickige "Teufel" und die Schlußsteine "Liebe Ohne Gewähr" und "Zeit" (okay, dieses letzte Stück hätte zum Ende hin etwas mehr Grandezza vertragen; ein wenig mehr "großes Finale"). Summa summarum versöhnt das mit den Ausrutschern. Bitte mehr in der Richtung.

Alles zu können, heißt nicht, auch alles tun zu müssen – sobald sie zuviel wollen, stehen sich Gleis 8 selbst im Weg. Der Charme von Rosenstolz kam seinerzeit aus dem Imperfekten, das dann mit Verve und einer Schippe Dreistigkeit über- und umspielt wurde. Dafür liebte man sie. Um Ähnliches zu erreichen, muss Gleis 8 nur den Mut zum "Weniger" aufbringen. Dann aber bleibt der Zug auf den Schienen. Gute Fahrt!

Frank Bongers

CD: Gleis 8 - "Bleibt das immer so" (Island/Universal)

Gleis 8 im Internet: www.gleis8.net

Universal Music im Internet: www.universal-music.de

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2013
erschienen: 22.6.2013
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