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Ed Motta - "AOR"

Es passiert nicht oft, dass einen ein Album noch so richtig vom Hocker reißen kann. "AOR", der neue Longplayer des brasilianischen Soul-Routiniers Ed Motta, ist so ein Album. Vom allerersten Takt an strömt authentischer, retrospektiver Soul und Funk wie ein Siebziger Jahre-Groove-Gemälde von Michael Franks aus den Lautsprechern...

Ed Motta - "AOR"

Nach einem Wahnsinn schlichtweg wunderbarer, fast magischer Soul-Perlen der Sonderklasse nach der anderen kommt es immer wieder zu erneuten Album-Höhepunkten. Diese sind musikalisch auf allerhöchstem Niveau, bewegen sich elegant und spielerisch tadellos zwischen Soul, Funk und den harmonischeren, cooleren Seiten des Jazz und sind in den Tempi so abwechslungsreich – immer mal wieder in der wohl dankbarsten Geschwindigkeit – dem Midtempo – dass das Hören selten so kurzweilig erschien wie hier.

Das selbstkomponierte und selbstproduzierte Werk des Brasil-Soulers Ed Motta hat die Musik, die man als Motta-unerfahrener eigentlich von brasilianischer Musik erwartet, ob nun Bossa Nova oder Samba, um nur einige wenige zu nennen, allerhöchstens schemenhaft an ganz wenigen Stellen mit dem so typischen brasilianischen Musikflair verwoben.

Der Soul ist die Antriebsfeder Mottas, der hier neben der Arbeit hinter den Reglern einmal mehr auch gleich den schlichtweg hinreißenden Gesang beisteuert, der auf die Musik wärmer, wunderbarer und retrospektiver nicht hätte passen können. Immer wieder ist es der herrlich analog wirkende Soul, sogar der Blue Eyed Soul der 70er Jahre, der beim Hören des herausragend gelungenen "AOR"-Sets in den Sinn kommt. Einmal mehr obliegt dabei Michael Franks (zugleich klar nie mehr als ein Quell der Inspiration für Motta) die Aufgabe, die neun Stücke des Albums in unerhört groovige, unverschämt sommerliche Soul-Klassiker mit vorsichtigem Jazz-Kick zu verwandeln.

Hierunter ein Highlight auszumachen, wäre in ungefähr so, sich unter seinen neun Sprösslingen ein Lieblingskind aussuchen zu müssen. Der Riesenohrwurm "Dondi", der magische Opener "Playthings Of Luv", das bewegte "1978 (Leave The Radio On)", das mit wunderschönen Bläsersätzen durchsetzte "Smile", das mit jazzigen Funk-Breaks durchzogene, auch mal nach Siebziger Jahre-Soundtrack klingende "Dried Flowers", das dahingleitende, sehr lebendige "Farmer's Wife", das verträumte "Simple Guy" oder das jazzige Titelstück "AOR" – sie alle sind pure Soul-Magie. Ed Motta ließ sie auf diesem, seinem mittlerweile zwölften Studio-Album (Motta ist gerade Anfang 40!) zu absoluter Perfektion reifen – bei gleichzeitiger Bodenhaftung und auch für Soul-ungeschulte Ohren sehr erdig-nachvollziehbar.

Ich kann "AOR" einfach nicht genug loben! Schon lange hat kein Album mehr derart kompromisslos und prall gefüllt mit unaufdringlichem, zurückhaltendem Charme und ganz viel Soul in der Magengrube überzeugen können, wie dieses. Das Kürzel "AOR" ist übrigens eine aus Nordamerika stammende Abkürzung für "Album Oriented" bzw. "Adult Oriented Rock", ein Begriff, der ebenso wie das gerne verwendete "MOR" ("Middle Of The Road") der überaus lebendigen Radio-Landschaft der Siebziger Jahre und damit gleichzeitig dem Sound-Kaleidoskop von "AOR" entstammt.

Fazit: Insbesondere für Freunde von kalifornisch fließendem Souljazz eines Michael Franks, des "Blue Eyed Souls" der Doobie Brothers, des "Oakland Strokes" von Tower Of Power oder des souldurchfluteten "Groovejazz mit Umpf" von Steely Dan, ja des Souls der 70er Jahre überhaupt wird Ed Mottas "AOR" eine regelrechte Offenbarung darstellen. Zeitlose Albumklassiker für die Ewigkeit? Es gibt sie noch!

Michael Arens

CD: Ed Motta - "AOR" (Dwitza Music 233739)

Ed Motta im Internet: www.edmotta.com

Dwitza Music im Internet: www.facebook.com/DwitzaMusic

Cover: Edna Lopes

© jazzdimensions 2013
erschienen: 12.7.2013
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