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The Alvaret Ensemble - "The Alvaret Ensemble"

Schön, schwarz und geheimnisvoll erhaben wirkt das Cover und auch die durchweg dreibuchstabigen Titel der Stücke, wie "BYD", EAC" oder "ULC" tragen nichts zur Erklärung bei, auf welche Art von Musik man gefasst sein sollte, wenn man sich dieser Doppel-CD des Alvaret Ensembles um Greg Haines und den Kleefstra-Brüdern widmet.

The Alvaret Ensemble - "The Alvaret Ensemble"

Bleiben wir beim Äußerlichen - in einem attraktiven Gatefold-Cover (Gestaltung von Thomas Hack) liegen zwei CDs, links und rechts flankiert von den weiß auf schwarz gedruckten zweisprachigen Texten, von denen die englische Version zumindest Verständlichkeit suggeriert (was bei näherem Betrachten täuscht). Alles ist einer konsequenten, etwas düsteren Ästhetik unterworfen, die bei der ebenfalls erhältlichen Version des Werks als Doppel Vinyl sicher auf die Spitze getrieben ist.

Diese Ästhetik setzt sich in der Musik fort - oder vielmehr wird sich wohl aus der spröden Düsternis der Klänge zwangsläufig die entsprechende optische Verpackung ergeben haben: Es sind Sounds, die man unwillkürlich im Norden verortet, in kargen, einförmigen Landschaften, in denen höchstens Flechten und Moose gedeihen und wo der raunende Wind flüchtige Nebelschwaden vor sich hertreibt. Amorph, fließend, aber dennoch seltsam organisch wirkt alles - und die flüsternd rezitierten Texte tun ein Übriges, um das Ergebnis ins trollhaft Transzendente zu treiben.

Leicht kommt einem jetzt das Stichwort "ECM" in den Kopf - dieser Vergleich führt beim Alvaret Ensemble jedoch in die Irre, auch wenn ein ähnlicher Hang zur akustischen Sparsamkeit und musikalischer Dramatik in langsamer Mutation deutlich wird. Die Texte, die spontan skandinavisch klingen, entpuppen sich als (sehr reizvolles) Friesisch und die Band selbst kommt nicht vom Polarkreis, sondern aus den weniger unwirtlichen Niederlanden.

Aufgenommen wurde die Platte übrigens in Berlin, live über mehrere Tage in der Grunewald Kirche. Das mag der Grund für den letztlich sehr warmen Raumklang sein, vor dem sich auf der ersten CD sehr zarte, auf der zweiten hingegen auch sehr massive, fast bedrohliche Klangpanoramen entfalten. Dies alles ist nicht hitverdächtig und schon gar nicht tanzbar. Aber sehr interessant. Und schön.

Frank Bongers

CD: The Alvaret Ensemble - "The Alvaret Ensemble" (Denovali Records)

Greg Haines im Internet: greghaines.wordpress.com

Jan & Romke Kleefstra im Internet: www.myspace.com/janromke

Denovali Records im Internet: www.denovali.com

Cover: Thomas Hack

© jazzdimensions 2013
erschienen: 15.2.2013
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