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Patti Smith - "Easter Rising"

Ob man von "verschollen" und "lang erwartet" sprechen sollte? Ein kleines Sensatiönchen ist das Auftauchen eines Mitschnitts eines Konzerts der Patti Smith Band aus dem Jahr 1978 schon. Zwar stimmt das Erscheinen auf einem Kleinlabel misstrauisch, aber die Setliste macht neugierig. Einige dieser Stücke gibt's nämlich sonst nirgends.

Patti Smith - "Easter Rising"

Der Titel der CD impliziert, die Aufnahmen würden aus der Zeit vor Erscheinen von Patti Smiths LP "Easter" stammen, was, zugegeben, noch reizvoller wäre. In der Tat war "Easter" bereits einige Wochen auf dem Markt, als Patti und ihre Mannen in Eugene, Oregon die Bühne enterten, was damals vom KCEL Radiosender ausgestrahlt und – klare Sache – auch konserviert wurde.

Ganz reibungslos geht so etwas nie ab, und vielleicht waren die Techniker auch überrascht, als nach einem achtminütigen Monolog von Patti Smith ("The Salvation of Rock") die ganze Band mit "Rock ‚n' Roll Nigger" einsetzt. Jedenfalls ist Richard Sohls Piano zunächst viel zu laut und der Sound, freundlich gesagt, unausgewogen. Zum Glück gibt sich das recht schnell.

Wirklich professionell ist die Band nicht. Man merkt, dass Todd Rundgren bei den Studioaufnahmen von "Easter" entweder ziemlich geduldig war, oder ein sehr hilfreiches (manchmal recht glättendes) Händchen geboten hat. Auf der Bühne rumpelt es manchmal etwas ungelenk und es fehlt an Präzision. Das ist jedoch vollkommen irrelevant, sobald Patti Smith ihre Stimme zu ihren stilbildenden gurrenden Röhren erhebt. Dies ist eine Liga für sich und erhebt die Band weit über ihr eigentliches Potential.

Bei "25th Floor" kommt die Energie und Mystik durch, die man von den Studioaufnahmen der Band kennt, nur wesentlich roher, und das später folgende "Because The Night" erklingt schon im Vorbewusstsein des Hits, zu dem das Stück praktisch werden musste. Manch Anderes lässt man hingegen "dokumentarisch" mitlaufen, wie die Version von Lennons "It's So Hard" oder Lennie Kayes Leadgesang bei "The Kids Are Alright", das es (nicht grundlos) nie auf Platte geschafft hat. Dann sind da aber wieder Interpretationen, wie die von "We Three", die schlichtweg genial sind.

Aufgemerkt, die Patti Smith Band stieg damals sicher hauptsächlich auf die Bühne, weil es ihnen Spaß machte und ging, deutlich hörbar, nicht allzu verbissen ans Werk. Aus "You Light Up My Life" macht man sich einen Fez und "Be My Baby" hätte man im Setup wohl auch kaum erwartet. Dann aber gibt es auch ganz große Kunst. Fast nebenbei.

Frank Bongers

CD: Patti Smith - "Easter Rising" (Leftfield Media/Chrome Dreams LFMCD 513)

Patti Smith im Internet: www.pattismith.net

Chrome Dreams im Internet: www.chromedreams.co.uk

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2012
erschienen: 29.5.2012
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