Jazzdimensions
www.jazzdimensions.de: jazz, worldmusic, songwriting & more
home / reviews / others / 2011
Francesco Tristano - "bachCage"

Wenn es für klassische Musiker so etwas wie einen Ritterschlag gibt, dann ist dies die erste Veröffentlichung auf dem renommierten Label "Deutsche Grammophon" – wie so vieles Teil des Universal-Imperiums. Wohlan, Francesco Tristano hat mit seinem neuen Album "bachCage" diese Weihen erhalten. Zeit, jetzt den ernsthaften Klassiker hinauszukehren? Mitnichten.

Francesco Tristano - "bachCage"

Nicht dass Tristano kein ernstzunehmender Musiker wäre. Wobei sich dies nicht allein auf den klassischen Bereich erstreckt – wer aber Tristano lediglich aus den Techno/DJ-Umfeld kennt, mag eine Bach-Einspielung erstaunt zur Kenntnis nehmen, Kenner seines klassischen Repertoires fehlt möglicherweise das Verständnis für Tristanos Ambitionen in Richtung Elektronik. Trennen lässt sich beides nicht – für Tristano sind seine Live-Club-Sets gleichwertig zu seiner Mitgliedschaft bei den "New Bach Players". Schließlich geht es um Musik. Mehr nicht.

Auf einem Album Johann Sebastian Bach (klassischer geht es kaum) mit John Cage (für viele Puristen noch immer ein Affront) zu verheiraten, mag nicht naheliegend erscheinen. Aber es funktioniert. Zumal Tristano nicht, wie einleitend gesagt, bitterernst auf das Monument Bach zusteuert, sondern erst ein lockeres Intro aus eigener Feder bringt (das eher eine Verwandschaft zu Cage zeigt), bevor er ungezwungen die "Partita No.1" anstimmt. Das tut er dann makellos.

Das folgende Cage-Stück "In a Landscape" stellt einen Ruhepol dar, der den, im Intro begonnenen, Rahmen um die Bach-Partita quasi schließt. Etwas schroffer setzt die mehrteilige Cage-Komposition "The Season" den Reigen fort. Freunde klassischen Klavierwohlklangs werden hier schon ernsthafter geprüft. Die folgenden "Vier Duette" von Bach mögen ihr Weltbild immerhin wieder ins Lot bringen.

Cage und Bach wechseln sich ein weiteres Mal ab, unterbrochen von einer Eigenkomposition Tristanos, dessen Klavierkünste fortan nie wieder zur Diskussion gestellt zu werden brauchen. Und nach dem Hören dieser CD kramt man, mit hierfür entsprechend vorgeweitetem Horizont, vielleicht eine lang vergessene CD mit Ragas von Ravi Shankar hervor: Auch Musik. Auch gut. Nur anders. Wie "bachCage".

Frank Bongers

CD: Francesco Tristano - "bachCage" (Deutsche Grammophon/Universal)

Francesco Tristano im Internet: www.francescotristano.com

Deutsche Grammophon im Internet: www.deutschegrammophon.com

Cover: Matthew Stansfield

© jazzdimensions 2011
erschienen: 8.4.2011
   home | interviews | reviews | clubtermine | tourtermine | festivaltermine | news | links
Sitemap  |   Impressum

 
interviews
reviews
live/clubs/berlin
live/on tour
live/festivals
news
links
home
info@jazzdimensions.de
Diese Seite drucken/Print this page
Empfehlungen: