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Emmylou Harris - "Hard Bargain"

Ruhe und Abgeklärtheit ist es, was das neue Album von Emmylou Harris vorwiegend ausstrahlt. "Kompromisslos", wie man den Albumtitel "Hard Bargain" übersetzen könnte, war diese Sängerin immer, was ihr im Laufe ihrer Karriere (dennoch?) ein rundes Dutzend Grammies einbrachte. Aber kann sie nach über vier Jahrzehnten im Geschäft auf ihren 26. Album noch Relevantes sagen? Sie kann.

Emmylou Harris - "Hard Bargain"

Ihr letztes Album "All I Intended to Be" liegt rund drei Jahre zurück, eine solide Bedenkzeit, in der allerhand Songs geschrieben werden können und die auch nicht gerade von leichtfertigem Veröffentlichungswahn zeugt. Schauen wir uns die dreizehn Stücke umfassende Setliste von "Hard Bargain" einmal genauer an.

Schon der traumhaft sichere Einstieg mit dem Gram Parsons gewidmeten "The Road" stellt ein Highlight dar. Mit teils brüchiger, teils wunderklarer Stimme erzählt Emmylou Harris von alten Träumen und nicht ganz verheilten Wunden, fügt dem Denkmal für Parsons – und nichts anderes ist eigentlich ihre gesamte Karriere – einen weiteren Baustein hinzu.

Die folgenden Stücke halten das gegebene Versprechen, bewegen sich dabei aber meist stärker in Richtung Country – wie das anklagende "My name is Emmet Till" und auch "Goodnight Old World". Sparsam arrangiert (außer Harris selbst sind nur Jay Joyce und Giles Reaves an verschiedenen Instrumenten zu hören), verlangt die Musik nach ungeteilter Aufmerksamkeit. Nichts für Nebenbei.

Unterbrochen wird die kontemplative Stimmung vom rockigen "New Orleans" und dem humoristischen "Big Black Dog". Ernster wird Harris wieder in ihren Lebensresumés "Lonely Girl" und "Hard Bargain". Der Song "Darlin' Kate" für Kate McGarrigle, die letztes Jahr an Krebs starb, ist ein weiteres zentrales Sück der Platte, die in vielem eine große Rückschau auf das Leben darstellt.

Aber nicht nur eine Rückschau – in "Nobody" begibt sich Emmylou Harris in die Perspektive eines jungen Mädchens, durchlebt ihr Leben mit ihr und schließt es versöhnlich ab. Das kathartische Endstück (durchaus architektonisch gemeint) "Cross Yourself" braucht man danach geradezu. Es endet fast abrupt – und führt, vielleicht durch die dann folgende Stille, den Bogen zum Anfang zurück. Wie das Leben.

Frank Bongers

CD: Emmylou Harris - "Hard Bargain" (Nonesuch Records/Warner)

Emmylou Harris im Internet: www.emmylouharris.com

Nonesuch Records im Internet: www.nonesuch.com

Cover: Barbara de Wilde

© jazzdimensions 2011
erschienen: 14.5.2011
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