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Ketil Bjørnstad - "Die Frau im Tal"

Der Band "Die Frau im Tal" ist der abschließende dritte Teil einer Romantrilogie über den jungen Pianisten Aksel Vinding. Nach dem Auftakt in "Vindings Spiel" und der dramatischen Fortsetzung in "Der Fluß" geht Bjørnstad im dritten Buch daran, die schicksalhaften Verstrickungen seines jungen Protagonisten konsequent weiterzuführen.

Ketil Bjørnstad - "Die Frau im Tal"

Nach dem Selbstmord seiner Frau gerät Vinding in eine tiefe Krise, stürzt in die Abgründe depressiver Gedankenwelten und tritt die Flucht aus Oslo an: eine Flucht, die ihn nun in gefährliche Nähe bringt von Sigrun Liljerot, der Schwester seiner Frau. Denn es verschlägt den musikalisch wie psychisch desolaten Vinding im Rahmen einer kleinen Tournee zu einem längeren Aufenthalt in die Finnmark, unmittelbar an die russischen Grenze. Hier möchte der von Selbstzweifel geplagte Pianist den sehnlich gewünschten Zugang zu Rachmaninov finden, wähnt er sich dem russischen Komponisten näher.

Beunruhigend mutet es an, wie fest Vinding an die Selbstbestimmtheit seines Lebens glaubt und wie fremdbestimmt, ja ausgeliefert er doch ist: Ausgeliefert den Frauen, die er liebt oder zu lieben meint. Ausgeliefert auch den Zufällen oder, wenn es keine Zufälle gibt, dem Schicksal. Letztendlich sind es immer andere, die die Fäden ziehen, die bestimmen, seine Retter sein wollen oder sich nur mit dem jungen, trotz allem begabten Mann brüsten möchten.

Gegen Ende des Buches wird Vinding dann endlich gezwungen, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, sich aktiv mit aller Präsenz um sich und andere zu kümmern und dabei verantwortungsvoll, konsequent und folgerichtig zu handeln. Ein Traumgespräch mit Rachmaninov weist dann auch die musikalische Richtung, aber den Weg gehen muss Vinding ganz allein. Wo, wenn nicht hier, wird Aksel Vinding erwachsen, lernt langsam und auf bittere Weise, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Wie genau dies geschieht, soll hier nicht verraten werden.

Ketil Bjørnstad gelingt in "Die Frau im Tal" erneut ein außerordentliches Psychodrama in Form eines Bildungsromans. Er zeichnet den verschlungenen, durch tiefe emotionale Täler und entsprechende Hügel führenden Weg des Musikers Aksel Vinding, intensiv und tragisch zugleich. Und doch vermittelt der Autor stets unterschwellig die Hoffnung, dass es irgendwie – wenn auch zwar nicht alles, so doch manches – am Ende wieder gut wird.

Ein herausragendes, von Lothar Schneider ebenso herausragend übersetztes, Buch – und ein in sich geschlossenes, auch ohne die anderen beiden Bände der Vinding-Trilogie in jedem Falle les- und verstehbares Werk.

Carina Prange

Buch: Ketil Bjørnstad - "Die Frau im Tal"
(Suhrkamp Verlag, geb., 335 S; ISBN: 978-3-458-17477-6)

Ketil Bjørnstad im Internet: www.babybonk.de

Suhrkamp Verlag im Internet: www.konnex-records.de

Umschlaggestaltung Hermann Michels & Regina Göllner

© jazzdimensions2011
erschienen: 4.6.2011
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