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Tom Petty and the Heartbreakers - "Mojo"

Gar manches Rockgebirge kraißt jahrelang, um dann ächzend ein Mäuslein zu gebären – oder etwas noch Mickrigeres. Allerdings hieß der Berg dann nicht Tom Petty, der sich zwar keine zwei Jahrzehnte, sondern nur (aber immerhin) acht Jahre Zeit nahm, für sein neues Werk "Mojo". In einem Alter, in dem andere sich ein Gebiss anpassen lassen und ein Toupet zurechtrücken, zeigt Petty, dass er Haare (seine eigenen) sogar noch auf den Zähnen (auch seine eigenen) hat. Mit eigenen Songs, klare Sache...

Tom Petty and the Heartbreakers - "Mojo"

Ansonsten ist nicht alles neu – angefangen mit der Band: Mit Mike Campbell (g), Ron Blair (b) und Benmont Trench (keys) sind Mitstreiter der allerersten Stunde an Bord (die, wie Eingeweihte wissen, schon einige Zeit zurückliegt). Scott Thurston (g) und Steve Ferrone (dr) sind als relative "Neuzugänge" auch fast zwei Jahrzehnte dabei. Soviel zur Konstanz. Mit "Mojo" macht die Band nun ihr Plattendutzend voll.

Einige Sachen sind neu bzw. anders – so ließ Petty seine zwölfsaitige Rickenbacker, die seinen Markenzeichensound begründete, meist im Koffer (außer für ein einziges Stück, und hier legte er sie in die Hände von Scott Thurston). Stattdessen griff er zu bewährtem Material von Fender und Gibson (kein Instrument mit Baujahr nach 1965 ist auf der CD zu hören – für Interessierte ist alles aufgelistet). Die Soundrichtung liegt klar auf Vintage. Und wie ein Museum (oder Rockmusikertraum) wirkt auch der im Panoramafoto eingefangene Aufnahmeraum.

Aber vielleicht doch ein paar Worte zu Musik. "Ist gut", wäre zwar nicht falsch, aber unangemessen knapp ausgedrückt. Die fünfzehn Stücke (alle von Petty bzw. mit Mike Campbell entstanden) drücken gut los, wirken tight und kraftvoll. "Mojo" ist als Titel passend gewählt – es ist viel Blues und Bluesnahes zu hören, Reminiszenzen an die Allman Brothers ("First Flash Of Freedom"), oder ZZ Top ("Lover's Touch") sind spürbar – oder an Peter Green, wobei sich Petty für "Trip To Pirate's Cove" sehr deutlich bei Greens Instrumental "Slabo Day" bediente (von "In The Skies", 1979). Einige Stücke haben durchaus Hitpotential ("Running Man's Bible", "Something Good Coming"), oder ziehen gekonnt die akustische Karte ("U.S. 41"). Große, gediegene Vielfalt. Hut ab.

Die Texte sind beigefügt, was gut ist, denn man sollte die CD mehrfach hören, um ihr Luft zum Entwickeln zu gönnen. Dann allerdings lernt man eine Musik kennen, die eine hohe Halbwertszeit zu haben verspricht. Gut so. Vielleicht müssen wir ja wieder acht Jahre warten.

Frank Bongers

CD: Tom Petty and the Heartbreakers - "Mojo"
(Reprise Records/Warner 9362-49668-0)

Tom Petty im Internet: www.tompetty.com

Reprise Records im Internet: www.repriseecords.com

Cover: Smog Design

© jazzdimensions 2010
erschienen: 19.7.2010
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