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Tina Dico - "Welcome Back Colour"

Bunt, wie es ist, impliziert das Album-Cover nach außen Disco-Mucke der billigeren Sorte. Drin ist aber feinste, geländegängige Songwriter-Popmusik, die auf geschmeidig abgestimmtem Fahrwerk auch mal ruppig wird. In Dänemark, wo sie Starstatus besitzt, wird Tina Dico mit dem Coverdesign keine Probleme haben. Hierzulande muss man potentiellen Käufern mit ein paar Erläuterungen zu ihrem Glück verhelfen. Vor allem, wo es sich gleich um eine Doppel-CD handelt.

Tina Dico - "Welcome Back Colour"

Bei "Welcome Back Colour" handelt es sich um eine, naja beinahe, "Best-Of"-Zusammenstellung. Beinahe, weil sich hier neben bereits veröffentlichten Songs, die wir (so wir sie denn auftreiben könnten) auch auf älteren CDs fänden, auch einiges an frisch geschriebenem Material befindet. CD 1 zeigt die "elektrische" Seite von Tina Dico, CD 2 widmet sich akustisch instrumentierten Stücken. Immerhin hat Dico über Jahre ganze Tourneen allein mit ihrer Akustikgitarre bestritten; eine Nagelprobe, bei der sich die Bühnenqualitäten eines Musikers erst erweisen. Stimmlich kann Tina Dico auch in der vorderen Liga kaum eine Kollegin das Wasser reichen.

Beginnen wir aber mit CD 1 und dem Titelsong "Welcome Back Colour", der zu den neuen Stücken gehört und einer Zusammenarbeit mit dem isländischen Multiinstrumentalisten Helgi Jonson entstand und daher teilweise in Reykjavik aufgenommen wurde. Ein selten fulminanter Einstieg in eine CD, eine klare Stimme über schroffer Indie-Gitarre und wuchtigem, aber zickigen Bassriffs. Großartige Popmusik (aus meiner Sicht jedenfalls). Den Spannungsbogen hält die CD nicht ganz; ab Stück 3 löst älteres Material die neue, extrovertiertere Richtung ab. Das ist eigentlich kein Problem, weil Songwriting und die opulenten Arrangements erstklassig sind. Dies erschließt sich spätestens beim zweiten Hören – wer die Hooters in ihren guten Momenten schätzt, wird diese Phase von Tina Dico lieben.

Das letzte, bereits durch eine Akustikgitarre geprägte (neue) Stück "Instead" leitet gut zu CD 2 über, die ausschließlich aus akustisch arrangiertem Material besteht. Sie enthält sowohl ältere, als auch neu geschriebene Stücke, die Tina Dico für "Welcome Back Colour" in einem kleinen Studio in Kopenhagen neu aufgenommen hat. In der Intimität und gleichzeitigen Intensität der Aufnahmen liegt ein Vergleich mit Suzanne Vegas aktuellen Akustikalben nahe, wobei Tina Dico weniger fragil klingt und, wie in "Rebel Song", neben exquisitem Fingerpicking auch mal richtig zupackt. Für "Room With A View" würde sich auch ein Paul Simon nicht schämen. Spätestens das großartige "Break Of Day" sollte auch den letzten Skeptiker überzeugen. Insgesamt finden sich unter dem Dutzend Songs keine Schwachpunkte.

Mit "Welcome Back Colour" punktet Tina Dico gleich in zwei Genres. Es ist schwer zu sagen, welches ihr eigentliches musikalisches Gesicht ist. Akustikfans werden an der (tatsächlich stärkeren) zweiten CD Gefallen finden, die Popfraktion (und hoffentlich auch die Radiosender) werden sich CD 1 zuneigen. Fazit: Lange keinen Künstler gehört, der, wie man heute so schön sagt, so "breit aufgestellt" ist.

Frank Bongers

CD: Tina Dico - "Welcome Back Colour" (Finest Gramophone 19CD)

Tina Dico im Internet: www.tinadico.com

Cover: Bureau Eight

© jazzdimensions2010
erschienen: 13.10.2010
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