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Syd Barrett - "An Introduction to..."

Es gibt Künstler, deren Einfluss sowohl durch ihre An- wie Abwesenheit zum Tragen kommt, und in Werken, die durch sie geschaffen werden – oder eben nicht geschaffen. Neben Yoko Ono fällt sicherlich auch Syd Barrett in diese Kategorie. Aktuell erschienen ist eine Retrospektive über ihn, die sowohl Barrets Phase mit Pink Floyd abdeckt, als auch sein anschließendes Solowerk. Auch bislang schwer zugängliches Material ist enthalten, alles sogar mit Texten.

Syd Barrett - "An Introduction to..."

Barretts Einfluss auf Pink Floyd dauerte bis weit in die Siebziger Jahre, obwohl er nur auf dem Debütalbum "Piper At The Gates Of Dawn" und den vorangegangenen Singles "Arnold Layne", "See Emily Play" und "Apples And Oranges" aktiv beteiligt war – da aber prägend als Songwriter, Gitarrist und Leadsänger. Aus dieser Phase stammen die ersten sechs Stücke der CD, wobei "Matilda Mother" als neubearbeiteter Remix und "Apples And Oranges" als Stereoversion (Original war in Mono) vorliegen.

Bereits zur zweiten LP "Saucerful of Secrets" wurde Barrett wegen seiner Drogensucht durch David Gilmour ersetzt, der pikanterweise für die Remixe dieser Kompilation verantwortlich zeichnet. Pink Floyd immerhin schwang sich trotz oder gerade durch den Ausfall des bisherigen Masterminds zu ungeahnten Höhenflügen auf, kulminierend in Meisterwerken wie "Dark Side Of The Moon" und "Wish You Were Here" – letzteres explizit eine Hommage an den abwesenden Barrett.

Syd Barrett versank derweil im Drogensumpf, tauchte zwischendurch auf, um zwei sehr britisch-schräge Soloplatten "The Madcap Laughs" und "Barrett" herauszubringen, und hinterließ einiges an unveröffentlichtem, unfertigem Material, von dem Teile auf der Compilation "Opel" erschienen. Zwölf weitere Stücke aus dieser Zeit befinden sich auf der CD, bis auf zwei von den beiden offiziellen LPs entnommen, zum Teil aber remixed – herausragend das düstere "Dominoes" und das verspielte "Baby Lemonade". Offiziell nie zuvor erschienen sind hingegen "If It's In You", gesanglich von zweifelhafter Qualität, und "Bob Dylan Blues", das sich in der Tat nach Dylan anhört.

Als Kompilation oder Einführung in das Werk Syd Barretts ist "Introduction to..." eine Perle, obwohl man über die künstlerische Angemessenheit von Bearbeitungen geteilter Meinung sein kann. Soundmäßig stimmt aber alles und das Repertoire ist definitiv genial. Ungeklärt bleiben wird, was aus Pink Floyd geworden wäre, wenn Barrett am Ball geblieben wäre. Zweifellos etwas sehr Britisches. Aber auf "Wish You Were Here" hätten wir dann wohl verzichten müssen...

Frank Bongers

CD: Syd Barrett - "An Introduction to..."
(Harvest/EMI 50999 9 07736 2 4)

Syd Barrett im Internet: www.sydbarrett.com

EMI Music im Internet: www.emimusic.de

Cover: StormStudios

© jazzdimensions 2010
erschienen: 28.11.2010
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