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Eric Clapton - "Clapton"

Die ersten Töne dieses Albums lassen aufhorchen. So satt in Blues getränkt, mit düsterem Unterton, der an Dylans "Time Out Of Mind" erinnert, klang Eric Clapton lange nicht mehr – vielleicht noch nie. Jedenfalls, wenn ein Musiker sein ungefähr zwanzigstes Soloalbum lapidar mit seinem Nachnamen betitelt, dann bedeutet das doch in etwa: "Das bin ich. Ich bin angekommen." Im Falle von jemandem wie Clapton sollte man genau hinhören.

Eric Clapton - "Clapton"

Es scheint aktuell eine Zeit zu sein, in der die alten Recken (wie z.B. unlängst Neil Young) sich zusammenreißen und der jungen Generation zeigen, wo der Hammer hängt. In die Waagschale werfen sie Abgeklärtheit und Lebenserfahrung, im Falle von Clapton ist auch einiges an durchlebtem Schmerz dabei. Als Ausdrucksvehikel dienen ihm jedoch (Ausnahme: "Run Back To Your Side") nicht selbstgeschriebene Songs, sondern die anderer Autoren (u.a. mal wieder: J.J. Cale), wobei Clapton sich Quellen sowohl bei alten Bluesmaterial sucht (was jetzt nicht verwundert), sondern auch unter den Jazzstandards des Great American Songbooks (das nun eher).

Was das Album ausmacht – und "Album" kann man hier im alten Sinne als wohlüberlegte Zusammenstellung verstehen –, ist, dass es in viellerlei Hinsicht einer inneren Dualität folgt. Die Songs strahlen allesamt Wärme aus, wechseln aber stimmungsmäßig nach einem Hell-Dunkel-Schema; einem düsteren Song, wie dem Auftaktsong "Trevelin' Alone" folgen freundlichere Klänge: "Rocking Chair". Auch stilistisch wandern die Songs sowohl in der Jazz- als auch der Blueshistorie hin und her, folgen aber keinem klaren Zeitstrahl. Weniger verwunderlich ist dies, wenn man in Betracht zieht, dass auch zwei Aufnahmesessions zu Grunde liegen, die eine in Los Angeles, die andere in New Orleans, was sich auch in jeweiligem Repertoire und Besetzung niederschlägt.

Die L.A.-Fraktion schmückt sich mit Jim Keltner am Schlagzeug und Willie Weeks am Bass, alte Weggefährten (nicht nur Claptons) und abgebrühte Profis, die dennoch immer dicht am Herzblut spielen. Meist sind dies die etwas düsteren Songs, dennoch vorwiegend die "weiße" Seite Claptonscher Musik. In New Orleans holte sich Clapton Allen Toussaint ans Piano, an der Trompete ist Wynton Marsalis (ab jetzt sei ihm einiges verziehen!) zu hören. Und ja, es sind Anklänge an New Orleans Jazz, die zum Vorschein kommen, wie in "When Somebody Thinks You're Wonderful"; eher leichte Muse, aber hervorragend interpretiert.

Wenn auch die Strömungen sich Yin-Yang-mäßig ausmitteln, bleibt ein Gefühl der Gediegenheit und hervorragendem Handwerk. Claptons Gitarre (schön in "River Runs Deep") ist genial ökonomisch, Gefummel ist hier nirgends zu hören. Mir persönlich gefallen die bluesigen Anteile mehr (wie "Hard Times Blues" mit Clapton an der Mandoline), aber auch der Rest ist hörenswert und bildet ein stimmiges Gesamtbild. Nach der Uptempo-Kulisse des vorletzten Stücks bildet "Autumn Leaves" [sic] ein glorreiches, unerwartetes Finale. Clapton nimmt abrupt das Tempo heraus und flüstert etwas, was auch ein Lebensfazit sein könnte. Ohne Bitterness, stattdessen mit versöhnter Weisheit. Wie gesagt, man sollte genau hinhören.

Frank Bongers

CD: Eric Clapton - "Clapton" (Reprise Records/Warner )

Eric Clapton im Internet: www.ericclapton.com

Reprise Records im Internet: www.repriserecords.com

Cover: Terry O'Neil

© jazzdimensions 2010
erschienen: 12.10.2010
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