Jazzdimensions
www.jazzdimensions.de: jazz, worldmusic, songwriting & more
home / reviews / others / 2009
William Elliott Whitmore - "Animals in the Dark"

William Elliott Whitmore ist zwar erst Mitte Zwanzig, aber seine Stimme klingt, als hätte er bereits die siebzig überschritten. Folk und Blues sind sein Metier, wobei der schmächtige Mann mit der Reibeisenstimme nach eigenen Angaben vor allem Hip-Hop hört. Davon ist auf ‚Animals in the Dark', seinem mittlerweile viertem Album, gar nichts zu spüren.

William Elliott Whitmore - "Animals in the Dark"

Vielmehr werden die Balladen auf den Album vor allem durch akustische Instrumente verfeinert. So finden sich Pedal-Steel-Guitar, Cello oder Akkordion auf den Songs dieses Albums wieder, das wie eine moderne Version der "Dust-Bowl-Ballads" der dreißiger Jahre klingt. Whitmore ist ein moderner Hillbilly, der gleichzeitig auch ein zeitgenössischer Geschichtenerzähler ist. Immer wieder spielen in seinen Texten Bibelzitate eine Rolle, wie eben die Bibel in den USA heutzutage eine wichtige Rolle spielt und nicht aus dem modernen Leben weg zu denken ist. Whitmores Musik ist tief in der ländlichen Lebenswelt der nordamerikanischen Gegenwart verwurzelt.

"This album was inspired by true events", schreibt Whitmore auf das Cover und will damit unterstreichen, dass er in dieser Musik nicht seiner eigenen "Darkness" Ausdruck verleiht, sondern Beobachter der ihn umgebenden Welt ist. Diese Beobachtungen fließen in seine Songs ein. Nichts desto trotz ist "Animals in the Dark" kein Soundtrack zur momentanen Weltwirtschaftskrise, sondern eine sehr persönliche Schilderung seiner Lebenserfahrungen. Folk und Blues sind für Whitmore uramerikanische Musikstile, in denen er über die eigene Existenz und den Zustand der Welt reflektieren kann.

Eine merkwürdige Ambivalenz prägt dieses neuen Album von William Elliott Whitmore: Obwohl aus seinen Songs eine gewisse Wut spricht – immer wieder taucht in seinen Texten nun "Motherfucker" auf – ist das Album insgesamt doch etwas leichter und weicher als seine Vorgängeralben geworden. Als würde sich Whitmore gegen die recht romantische und archaische Grundstimmung, die seine bisherigen Alben bestimmte, wehren oder gar von ihr befreien zu wollen.

Es scheint fast, als sei "Animals in the Dark" eine Art Testament der Angst, "american style". Nichtsdestotrotz strahlt diese Musik eine große Einsamkeit und pure Schönheit aus, wie sie gegenwärtig selten zu finden ist.

Michael Freerix

CD: William Elliott Whitmore - "Animals in the Dark"
(Anti 6974-1SL)

William Elliott Whitmore im Internet: www.williamelliottwhitmore.com

Anti Records im Internet: www.anti.com

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2009
erschienen: 8.6.2009
   home | interviews | reviews | clubtermine | tourtermine | festivaltermine | news | links
Sitemap  |   Impressum

 
interviews
reviews
live/clubs/berlin
live/on tour
live/festivals
news
links
home
info@jazzdimensions.de
Diese Seite drucken/Print this page
Empfehlungen: