"Call me madame" ist die erste Zusammenarbeit von Franck Vigroux und Matthew Bourne. Vigroux macht neben der Musik auch Filme, wogegen sich Bourne durch seine Lehrtätigkeit an der Universität in Leeds ganz auf Musik konzentriert.
Franck
Vigroux & Matthew Bourne - "Call Me Madame"
Ihr gemeinsames, überproduktives Musizieren steht auf "Call me madame" ganz im Zeichen der "hohen Kunst". Klänge des analogen Synthesizers treffen wie Splitterbomben auf Rock-Samples, Fundstücke aus dem Weltempfänger auf kleine Etüden am genialisch gespielten Klavier. Möglichst viele verschiedene musikalische Stile und Ansätze werden übereinander geschichtet, um dadurch den Zustand einer gewissen musikalischen Überreiztheit herzustellen: Eine Attacke auf das Gehör, die Taubheit verursacht.
Die zehn Stücke auf dieser CD sind eher "Hörkunst" als Musikperformance. Manchmal klingt diese Musik mit ihrer spielerischen Energie wie ein ironischer Kommentar zu zeitgenössischer Musikproduktion am Laptop. Kann man dieses Album auch als ein Statement der Orientierungslosigkeit verstehen oder als musikalischen Surrealismus? Schwer zu sagen.
Auf jeden Fall steht hier die selbstgenügsame Weirdness im Zentrum der Musik Virtuosität als Instrument, um Hörgewohnheiten zu unterwandern, zu überformen oder ganz und gar zu zertrümmern.
Michael Freerix
CD: Vigroux / Bourne - "Call Me Madame" (D'autres Cordes d'ac 5002)
Franck Vigroux im Internet: www.franckvigroux.com
Matthew Bourne im Internet: www.matthewbourne.com
D'autres Cordes im Internet: www.myspace.com/dautrescordes
Cover: Françoise Romand