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Humcrush - "Rest at worlds end"

Wir leben gerade in einer Zeit, in der das Duo geradezu zur Standardformation im Bereich der Rock- und Popmusik wird: Der Laptop macht es möglich. Wo sich früher drei, vier oder mehr Musiker als Band zusammentaten, reichen heute nur noch zwei, die einen Computer bedienen können. Instrumente zu beherrschen, spielt keine Rolle mehr – der Laptop stellt alles andere zur Verfügung...

Humcrush - "Rest at worlds end"

Humcrush sind zwar auch ein Duo, haben sich aber ein essentiell anderes Ziel gesetzt. Ståle Storløkken und Thomas Strønen spielen Schlagzeug und Keyboard. In dieser Reduktion auf nur zwei Spieler wollen sie die Grenzbereiche des Möglichen ausloten. "Rest at the Worlds End" beginnt mit dem Stück "Stream", einer Fusion von hypernervösen Jazz- und Rockelementen. Storløkken und Strønen spielen in diesem Eröffnungsstück gegeneinander an, tricksen sich gegenseitig aus, um dann doch zu einem gemeinsamen Ende zu kommen. Es geht ihnen dabei nicht nur darum, vorzuführen, was sie an Technik und Können alles "so drauf" haben. Jedes Stück auf diesem Album ist live entstanden, im Studio gab es weder Überarbeitungen noch Ergänzungen.

Jedes einzelne Stück auf diesem Album steht zudem für den Versuch, den Moment der Improvisation voll einzufangen: Die beiden arbeiten ohne Netz und doppelten Boden, dreschen hochvirtuos aufeinander ein oder loten die Stille in Raum und Zeit aus. Dies hat immer etwas leicht Bedrohliches, so als hielten die beiden Musiker ihre Kräfte nur gezwungenermaßen unter Kontrolle und warteten ungeduldig darauf , wieder aufeinander loszustürmen. "Rest at worlds end" ist ein Album voller Unruhe und Wucht, das in seiner "postmodernen Modernität" praktisch den Gegenpol zum "Nordic Jazz" bildet, der seit mindestenz dreißig Jahren die Szene nördlich der Ostsee zu beherrschen scheint.

Mit "Rest at World's End" zeigen Ståle Storløkken und Thomas Strønen Spaß daran, Jazz und Rock, Dub und Elektronik auf komplexe Art und Weise miteinander zu fusionieren. Pausenlos treiben sie diese Elemente in ihren Improvisationen gegeneinander an und verschmelzen sie. Stellenweise brachial, aber auch melodisch und feinsinnig, ist dies alles andere als ein Album zur Entspannung. Ganz im Gegenteil, es ist Musik, die mit voller Aufmerksamkeit gehört werden muss.

Michael Freerix

CD: Humcrush - "Rest at worlds end" (Rune Grammofon RCD 2081)

Humcrush im Internet: www.myspace.com/humcrush

Rune Grammofon im Internet: www.runegrammofon.com

Cover: Kim Hiorthøy

© jazzdimensions 2009
erschienen: 5.7.2009
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