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Demis Roussos - "Demis"

Jeder, der wie ich in den 70er Jahren groß wurde, hat eine natürliche, fast angeborene, Abneigung gegen Demis Roussos. Auch, wenn das alles andere als fair ist. Denn Demis Roussos war immer derjenige, der, rauschebartveredelt, in der Hitparade in einem wallenden Kleidersack mit schmachtender Stimme schlechte Schlager in einer Handvoll Sprachen dahinsülzte...

Demis Roussos - "Demis"

Da half es auch nichts, dass ich dann später aufgeklärt wurde, dass Roussos einer der innovativsten und inspirierendsten Musiker überhaupt ist und war, und seine Progressive Rock-Band Aphrodite's Child seinerzeit (späte sechziger Jahre) eine Offenbarung war – die nicht nur ihm, sondern auch seinem Mitstreiter Evangelos Odysseus Papathanassiou, besser als Vangelis bekannt, Weltruhm einbrachte.

Mittlerweile weiß ich selbstverständlich, dass Roussos seit jenen Tagen vor 40 Jahren so ziemlich alle Musikrichtungen, die die Welt zu bieten hat, von Pop zu Rock, über Schlager, Folklore, Jazz, experimentelle Musik (und sogar Soul), an irgendeinem Punkt seiner immens erfolgreichen Karriere bearbeitet hat.

Nun gibt es also ein neues Album des in Ägypten geborenen Schwergewichts. Seine zeitweise enorme Leibesfülle gehörte während seiner Schlagerzeit in den Siebzigern zum Aushängeschild und war Markenzeichen von Artemios Ventouris Roussos, wie Demis Roussos mit vollem Namen heißt. Und um es vorwegzunehmen: auch hier sind die Ereignisse, die musikalischen Ereignisse eigentlich eher als unvorhersehbar einzustufen.

Produzent Marc di Domenico, der bereits die Karriere von Henri Salvador wieder ankurbeln konnte, stellt Roussos in ein Licht aus Rock und 60er-Beat-Anleihe, was in einigen Momenten nach den Beatles klingt und Roussos Stimme irgendwie zuarbeitet. Denn diese ist auch nach so vielen Jahren noch hochkarätig und genießt (sowieso) den Wert der Wiedererkennung – selbst mit verbunden Augen bzw. Ohren. Ob das Werk es nun wert ist? Unmöglich zu sagen. Soviel sei verraten: mehrmaliges Hören ist hier Pflicht.

Und dann taucht da doch immer wieder dieses verflixte Bild vor meinem geistigen Auge auf – von dem großen Mann mit Rauschebart und wallendem Gewand. Der, unserer Vorstellung eines griechischen Göttervaters nicht unähnlich, als Gast am Sonntagabend die mit Bembeln geschmückte Bühne von "Zum Blauen Bock" ziert. Und das irritiert

Michael Arens

CD: Demis Roussos - "Demis" (Discograph/Alive 6104305)

Demis Roussos im Internet: www.demisroussos.net

Discograph Records im Internet: www.discograph.com

Cover: Bronx (Paris)

© jazzdimensions 2009
erschienen: 3.12.2009
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