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Bohren & Der Club Of Gore - "Dolores"

Angefangen haben "Bohren & Der Club Of Gore" vor gut 20 Jahren im Sektor Metal und Gitarrenrock. Von diesem jedoch ist auf ihrem sechsten Album "Dolores" so gut wie gar nichts mehr geblieben. Stattdessen produziert die Band nun auf Vibraphon, Saxophon und E-Piano eine gedämpfte, sphärische Nachtmusik, die schwer zu beschreiben ist. Jazz spielt darin eine grosse Rolle, aber auch Film- und Kammermusik.

Bohren & Der Club Of Gore - "Dolores"

Seit seinem Debüt "Gore Motel" von 1994 und der darauf folgenden Doppel-CD "Midnight Radio" kann das Quartett auf eine konsequente Weiterentwicklung zurückschauen. Waren auf ihren ersten Alben noch gelegentlich Gitarren zu hören, so sind diese in der Zwischenzeit ganz aus dem Klangbild von Bohren verschwunden. Der Bandsound reduzierte und entschleunigte sich immer weiter.

Auf "Dolores" nun zelebriert die Gruppe Klanglandschaften, als würden sie die "Entdeckung der Langsamkeit" betreiben. Die Einzigartigkeit dieser Band zog ihre Kreise: Immerhin rief der ehemalige Faith No More-Sänger und Avantgardekomponist Mike Patton persönlich bei ihnen an, um das Vorgängeralbum von "Dolores", "Geisterfaust" (2005) auf seinem Label Ipecac herausbringen zu dürfen.

Bohren & Der Club Of Gore nennen Mühlheim/Ruhr ihre Heimatstadt. So eigenartig, wie seinerzeit Peter Nestler jenen Ort in seinem Dokumentarfilm von 1966 beschreibt, wirkt auch die Musik: Stillgelegte Industriestandorte, Kneipen mit bräunlich verfärbten Wänden, Kopfsteinpflasterstraßen und ein träge dahin treibender Fluss sind die Gedankenbilder, vor deren Hintergrund "Dolores" seine unverwechselbare Kraft entwickelt: Wie Ölflecken auf einer Wasseroberfläche verweben Vibraphon, elektrisches Klavier und Saxophon Melodien miteinander.

Manchmal bleibt ein Akkord sekundenlang in der Luft stehen, bevor Schlagzeug und Bass unisono in diesen Schwebezustand einbrechen und damit klar machen, das es sich bei "Dolores" nicht um ein Ambient-Projekt handelt, sondern um jazzinspirierte Kammermusik. Nicht ohne Grund ist der zeitgenössische Komponist und DJ Markus Schmickler (a.k.a. Param) auf diesem Album für Mischung und Mastering verantwortlich.

Die traurig-verhangene Bildlandschaften auf "Dolores" sind allerdings viel zu kraftvoll, um auch als Filmmusik funktionieren zu können. Die Eigenartigkeit ihrer Musik beschreibt Pianist und Grundungsmitglied (und gelernter Werkzeugmacher) Morten Gass punktgenau: "Diese Musik machen wir, weil wir gerne sowas hören, wenn wir Auto fahren. Und weil solche Musik sonst keiner macht, müssen wir sie halt machen.'" Und richtig, "Dolores" ist definitiv ein grandioser Soundtrack für nächtelange Fahrten auf endlosen Autobahnen.

Michael Freerix

CD: Bohren & Der Club Of Gore - "Dolores"
(Pias Recordings PIASR 145 DLP)

Bohren & Der Club Of Gore: www.bohrenundderclubofgore.de

Pias Recordings im Internet: www.piasrecordings.com

Cover: Melanie Höner/Jörg Follert

© jazzdimensions 2009
erschienen: 25.1.2009
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