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Bérangère Maximin - "Tant que les heures passent"

Angenehm "altbacken" wirkt das Debutalbum der auf der Insel Reunion aufgewachsenen Französin Bérangère Maximin. Im Gegensatz zu anderen Komponisten, die mit ihren digitalen Tools Grenzbereiche des musikalisch Möglichen erforschen, benutzt Maximin vor allem Auszüge aus alten Vinyl-Schallplatten, um daraus auf ihrem Laptop neue Klanggebilde zu formen.

Bérangère Maximin - "Tant que les heures passent"

Vom Sound her klingt "Tant que les heures passent" sehr stark wie die "Musique Concrete" der frühen sechziger Jahre. Ein angenehm analoges Knistern durchzieht diese Kollagen, die etwas Harmonisch-Luftiges haben, was möglicherweise an den verfremdeten Naturgeräuschen liegt, die häufig als Ausgangsmaterial für die Kompositionen dienen.

Aus diesen formt Maximin repetitive Klangstrukturen, die sie übereinanderschichtet und mit andersartigen Tonfragmenten vermischt. Vollkommen eigenständige akustische Skulpturen präsentiert sie hier, wie zum Beispiel ihre "Voyage Morphologiques", in denen kurze Gesangsauszüge einer Oper, Griot-Musik und slawische sowie asiatische Volksmusik aufeinandertreffen: Maximin verschmilzt diese Fragmente einander vollkommen fremder Kulturen zu traumartigen, sinnlich-poetischen Musikmontagen.

Aber keine Methode ohne Abweichung von diesem Muster: Auf "Ce corps VII, Part one and Two" hat die Künstlerin einen von ihr gesprochenen Text über die ansonsten wunderbar frei-assoziative Geräuschkollage gelegt. Dies ist die einzige Stelle, die verrät, dass Bérangère Maximin Leute wie Miles Davis, David Bowie oder Bob Dylan zu ihren Vorbildern zählt – wahrscheinlich klingt "Tant que les heures passent" deshalb so lyrisch und sensibel. (Möglicherweise wird Maximine in Zukunft auch stärker songorientierte Musik machen, denn sie lernt gerade Gitarre spielen und schreibt bereits Songs.)

Die Kompositionen auf "Tant que les heures passent" sind Spielereien mit Tönen, Geräuschen und Musikfitzelchen, die so sensibel wie leicht zugänglich sind. Manchmal wirken die Stücke wie akustische Filme, die an lange Spaziergänge bei Nacht durch sommerliche, menschenleere Straßen erinnern – durch die geöffneten Fenster dringen lauter private, fremdartige Klänge an die warme Luft und verbreiten einen betörenden Zauber…

Michael Freerix

CD: Bérangère Maximin - "Tant que les heures passent"
(Tzadik TZ 8056)

Bérangère Maximin: www.myspace.com/maximinberangere

Tzadik Records im Internet: www.tzadik.com

Cover: Heung-Heung Chin

© jazzdimensions 2009
erschienen: 1.4.2009
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