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O'Death - "Head Home"

Neben Bands wie Split Lip Rayfield, Akron/Family oder Songschreibern wie William Elliott Whitmore gibt es zur Zeit viele Musiker, die sich auf die Wurzeln der nordamerikanischen Folkmusik berufen. O'Death ist auch eine von diesen Bands. Mit Banjo und Standbass bewaffnet drehen sie die Zeit um ungefähr 80 Jahre zurück und besinnen sich auf die Wurzeln des weißen Rock and Roll.

O'Death - "Head Home"

Vom Sound her klingen klingt "Head Home" archaisch, als wäre das Album mit uralten, schief gestimmten Musikinstrumenten in einer Holzhütte irgendwo in den Appalachen aufgenommen worden. Tatsächlich sind die fünf Musiker von O'Death Studenten und leben in New York. Dort traten sie lange Zeit als Straßenmusiker auf, bevor sie ins Studio gingen, um ihr Debüt "Head Home" aufzunehmen.

Woher diese Begeisterung für den sound einer weit zurück liegenden Epoche kommt liegt auf der Hand. Es ist die bizarre Ursprünglichkeit, die den Songs der Carter Family oder der Carolina Tar Heels anhaftet, die die jungen Leute von O'Death inspiriert. Ganz offensichtlich sind sie stolz darauf, sich in die einzigartige Tradition der Hillbillies, der amerikanischen Hinterwäldler, einzureihen. Bewußt benutzen sie diese, um ihre eigene, durchgedreht und fiebrig wirkende Roots-Musik zu machen. Auf "Head Home" stellen die fünf Musiker klar, dass sie die Verschrobenheit des Hillbillies mit der Hektik des Großstädters zu verbinden wissen.

Obwohl die Songs auf diesem Album von zweifelhaften Vergnügen wie Bibelstunden und verfaulenden Zähnen handeln, haben sie nichts Negatives und Düsteres an sich. Ganz im Gegenteil – sie sprudeln vor lauter ungestümer Lebensfreude geradezu über. Es scheint, als wären diese Songs in langen Nächten am Lagerfeuer entstanden, während der Moonshine-Whiskey durch ihre Kehlen floss.

Ähnlich klang Bob Dylan mit The Band, als er sich, Mitte der sechziger Jahre, in den Keller des pink gestrichenen Hauses in Woodstock zurückzog, um ganz und gar emotionale, unverfälschte Musik jenseits von Marketing und Hitparaden zu machen. Erst Jahre später kamen diese Aufnahmen, stark zensiert, unter dem Titel "Basement Tapes" auf den Markt. Bei O´Death fehlt diese Zensur durch die Musikindustrie: Ihre Musik lebt von der Freiheit der eigenen Erfindung und vom Überschwang der Gefühle.

Wo es bei den "Basement Tapes" um die Suche nach den spirituellen Wurzeln des Folk ging, machen O´Death mit Fiddle, Banjo und Akkordion Musik für die Party auf der Veranda. Sie feiern das Leben in seiner Ursprünglichkeit und spielen auf "Head Home" akustischen Rock ´n Roll für Menschen, die keine Angst vor den unschönen Seiten des Lebens haben.

Michael Freerix

CD: O'Death - "Head Home" (City Slang Records ejrc 032)

O'Death im Internet: www.odeath.net

City Slang Records im Internet: www.cityslang.com

Cover: Jimmy Joe Roche

© jazzdimensions 2008
erschienen: 6.1.2008
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