Die Geschichte des Blues hat keinen Anfang und nimmt kein Ende. Immer wieder verschreiben sich Musiker dem Blues. C. W. Stoneking, Australier mit amerikanischen Wurzeln, ist einer von ihnen. "Meine Vorfahren," so sagt er stolz, "sind echte Hillbillies aus West Virginia." Aber von diesen hat er seine Art, den Blues zu spielen, nicht gelernt, sondern sich die Songs von Son House und Robert Johnson als Teenager von Schallplatten abgehorcht.
C.
W. Stoneking - "King Hokum"
Schon mit seiner ersten Band, die er mit 14 Jahren gründete, spielte er reinen Blues. Nach deren Auflösung zog es ihn für einige Jahre in die australische Wüste. Dort konnte er sich vollkommen auf seine Musik konzentrieren und "seinen eigenen Sound" finden. Ohne die Einsamkeit der australischen Wüste würde er, wie er sagt, heute "komplett anders klingen". Auf "King Hokum" ist das Ergebnis dieser Wüstenerfahrung zu hören. Stonekings Songs klingen, als wären sie um 1927 entstanden authentischer, primitiver Folk-Blues, der zwar viel imitiert, aber auch einen Gegenwartsbezug durchklingen lässt.
Stoneking – ob er wirklich so heißt, weiß nur er selber spielt keine Cover-Versionen, sondern ausschließlich eigenes Material, das viel melodiöser und weniger aggressiv klingt, als die Songs seiner Vorbilder. Er begleitet seinen heiseren Gesang auf Banjo und Dobro und erzählt dabei, häufig sehr humorvoll, Geschichten von ihm selbst und seiner Welt. Dieser Tage so historisch und authentisch zu klingen, dazu gehört der Mut, sich gegen heute übliche Hörgewohnheiten behaupten zu wollen. Oder auch einfach nur Lust, sich einer Sache ganz und gar hinzugeben: Diese Lust hört man den Songs auf "King Hokum" an.
Stoneking stellt sich mit seinem Album in eine Reihe mit Seasick Steve und William Elliott Whitmore: Weiße, die den schwarzen Blues noch schwärzer als schwarz singen. Würde nicht wundern, wenn Stoneking bald zusammen mit den White Stripes auf Tour ginge. Authentizität muss sich schließlich auszahlen!
Michael Freerix
CD: C. W. Stoneking - "King Hokum"
(Voodoo Rhythm Records VRCD 38)
C. W. Stoneking im Internet: www.myspace.com/cwstoneking
Voodoo Rhythm Records im Internet: www.voodoorhythm.com
Cover: Paty Marshall-Stace/Beat-Man