Jazzdimensions
www.jazzdimensions.de: jazz, worldmusic, songwriting & more
home / reviews / others / 2006
Jimi Tenor - "ReComposed"

Auf der zweiten CD der Reihe "ReComposed" der Deutschen Grammophon tobt sich diesmal der finnische Multiinstrumentalist und Enfant terrible Jimi Tenor aus. Mit der Wahl seines, unter neuem Blickwinkel vorgeführten, Materials beweist er bereits Geschmack – auch wenn "Geschmack" nach landläufigen Maßstäben vielleicht nicht das ist, was Tenor primär anstrebt...

Jimi Tenor - "ReComposed"

Die hier versammelten Werke sind – grob gesagt – der Neuen Musik zuzurechnen, allerdings verschiedenen Spielarten. Von Minimalisten wie Steve Reich, Extremisten wie Edgar Varèse, Surrealisten wie Erik Satie und Serialisten wie Pièrre Boulez spannt sich der Bogen bis zurück(?) zum Romantiker Rimsky-Korsakow. Ob Tenor seinen Vorlagen in allen Belangen gerecht wird, ist Geschmackssache. Ob er dies überhaupt beabsichtigt, steht auf einem anderen Blatt – dass man diese Stücke so noch nie gehört hat ist jedenfalls unzweifelhaft.

Jimi Tenor spielt, mit Ausnahme einiger Percussioninstrumente, die Mongo Aaltonen beisteuert, alle Instrumente selbst. Was er auffährt, ist beeindruckend und reicht vom Synthesizer über Tam-tam bis zur Bambusflöte – ohne Zwischenstationen auszulassen, versteht sich. "Répons" von Boulez unterlegt Tenor mit Drumbeats, lässt Sounds wie metallisches Schüttgut auf technoides Sequenzerbassgeknatter treffen. Saties "Vexations" klingt wie unter Wasser, verstörender als das fragile Original. "Déserts" von Varèse (mutig, sich an dieses Stück zu wagen) gerät bei Tenor zur Brutal-Kakophonie mit Pauke und Theremin – man sieht förmlich von Elefantenhorden verfolgte Musiker vor sich (die unterschwellig drohende Klangkulisse des Originals erreicht ihre Spannung jedoch auf vergleichsweise subtilere Art).

Einen schönen, versöhnlichen Schlusspunkt setzt Tenor mit dem "Choral Concerto" des russischen Komponisten Georgi Swiridov, dem er eine regelrecht club-jazzige Athmosphäre abgewinnt. Was im Jazz erlaubt ist, nämlich eigenständige Neuinterpretationen vorhandenen Materials, sollte vielleicht also auch für die "Neue Musik" gelten. Tenors Mindestverdienst aber besteht darin, ein Schlaglicht auf einige hochinteressante Werke und ihre Komponisten geworfen zu haben.

Frank Bongers

CD: Jimi Tenor - "ReComposed" (DGG/Universal)

Jimi Tenor im Internet: www.jimitenor.com

DGG im Internet: www.deutschegrammophon.com

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2006
erschienen: 4.10.2006
   home | interviews | reviews | clubtermine | tourtermine | festivaltermine | news | links
Sitemap  |   Impressum

 
interviews
reviews
live/clubs/berlin
live/on tour
live/festivals
news
links
home
info@jazzdimensions.de
Diese Seite drucken/Print this page
Empfehlungen: