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Roedelius - "Works 1968–2005"

In Form von "Works 1968–2005" macht Grönland Record sich an die verdienstvolle Aufgabe einer Werkschau eines der bedeutendsten Vertreter der deutschen elektronischen Musik – Hans-Joachim Roedelius. Auf zwei CDs ist eine Sammlung ausgewählter Werke verschiedener Phasen und Konstellationen, die zusammen ein Portrait dieses Künstlers ergeben.

Roedelius - "Works 1968–2005"

Vorweg muss gesagt werden, dass der Versuch, das Oevre eines Musikers wie Roedelius, dessen Lebenswerk eine Zeitspanne von mehreren Generationen umfasst und dementsprechend viele Wandlungen vollzogen hat, in dieser – relativen – Kürze grundsätzlich als problematisch einzustufen wäre. "Works 1968–2005" versucht dies denn auch nicht im Sinne einer dokumentarischen, gar chronologisch in einen Zeitbezug gesetzten Abfolge der Stücke, sondern setzt allein bei der äußeren Form an, der Musik: hier soll gehört und nicht analysiert oder kategorisiert werden.

Bunt ist es allemal, was man zu hören bekommt. Die erste CD setzt ein mit einem Stück von Roedelius' Band Harmonia aus dem Jahr 1975 ein – "Monza" –, um sich dann mit einem Stück von Cluster zunächst in die Vergangenheit und dann mit einem in der Zusammenarbeit von Cluster und Brian Eno entstandenen ("Ho Renomo"), wieder näher zur Gegenwart zu pirschen. Die restlichen Stücke der CD entstammen abwechslungsreichen Phasen zwischen 1968 und 2005.

Ähnlich unterschiedlich geht es auf CD zwei weiter, wobei das Einstiegsstück "Zerrissen zwischen Illusionen", bei dem Roedelius als Sänger zu erleben ist, die Ohren des Durchschnitthörers durchaus gegen den Strich zu bürsten droht. In der Mehrzahl klingen die Kompositionen versöhnlicher, haben aber teilweise merklich Staub angesetzt – hier rächt es sich, dass der Bezug zum Umfeld im Sinne einer Chronologie fehlt. Immer noch spannend zu erleben ist die 1968er Liveaufnahme aus den Zodiac "Human Being", sämtliche Stücke mit Eno, wohingegen, Pionierleistung hin oder her, anderes heutzutage landläufiger klingt als es dies verdient hätte – nur damals waren Synthesizer noch keine Kaufhausware.

Verblüffend, dass gerade die neuesten Stücke, nämlich die von Roedelius aktuellem Projekt Lunz aufs positivste herausstechen. Sie beweisen, dass Roedelius nämlich, außer ein Mann mit Vergangenheit, immer noch mehr ist: ein zeitgenössischer Künstler von Relevanz.

Frank Bongers

CD: Roedelius - "Works 1968–2005" (Grönland Records CDGRON39)

Roedelius im Internet: www.roedelius.com

Grönland Records im Internet: www.gronland.co.uk

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2006
erschienen: 14.6.2006
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