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Keith Moon - "Two Sides of the Moon"

Was dem Schriftsteller die kommentierte Werkausgabe, ist dem Musiker die "expanded Reissue" mit Bonustracks und Studio-Outtakes. Hier also der Who-Schlagzeuger Keith Moon, dessen einziges Soloalbum "Two Sides of the Moon" von 1975 bei Santuary Records wiederaufgelegt wurde. Und aus der ursprünglichen LP wurde unversehens eine Doppel-CD: Zweifellos eine verdienstvolle Angelegenheit, meint der Fan.

Keith Moon - "Two Sides of the Moon"

Nun war "Two Sides of the Moon" noch nie als überragendes Meisterwerk gerühmt worden und findet sich in vielen Plattenschränken eher der Vollständigkeit halber oder aus Gründen seiner Obskurität – und natürlich, weil Moon Schlagzeuger bei "The Who" war. Er war aber auch stets mehr als das gewesen, stellte das anarchische, überbordende, komödiantische Element der Band dar. Und er trat schon früh als Komponist und Sänger auf: sein diesbezügliches Debüt war 1966 der Song "I Need You" auf "A quick one".

Nach seinen Filmauftritten in der Verfilmung von "Tommy" und Zappas "200 Motels" spielte er kurzzeitig mit dem Gedanken an eine Schauspielkarriere, entschied sich dann jedoch – in einer Who-freien Phase – dazu, ein Soloalbum aufzunehmen. Für "Two Sides of the Moon" trommelte Moon eine Starbesetzung zusammen, zu der neben Ringo Starr und Joe Walsh auch die Surfgitarrenlegende Dick Dale gehörte, den Moon für einen Song ins Studio holte. Kommerziell war das Album 1975 ein Misserfolg, was auch an Moons eher abseitigem Gesangstalent lag, sowie an der Tatsache, dass er, "ich bin im Urlaub!", meist andere Drummer spielen ließ.

Mit gut dreißig Jahren Abstand, auch angemessen erhellt durch die wirklich liebevoll ausführliche Dokumentation im Booklet (das Original hielt sich hier sehr bedeckt), kann man "Two Sides of the Moon" ganz anders hören. Zugegeben, die schrägen Töne ("Don't worry baby") sind immer noch da, aber die frischen Momente ("Crazy like a fox") überwiegen. Zum gesamten Album sind, neben der '74er Single (anderer Mix!) auch Outtakes hinzugefügt, die teilweise ("Hot Rod Queen") auch dem Originalalbum gut zu Gesicht gestanden hätten. Auch die drei unveröffentlichten, von Steve Cropper produzierten Takes sind interessant – ob David Bowie bei "Naked Man" wirklich das Saxophon spielt, lässt sich leider nicht beweisen (anwesend war er).

Die zweite CD bietet dokumentarisch Einblick in die Studioarbeit. Wer Freude an unvollendeten Takes oder Varianten hat, kommt hier auf seine Kosten – wirkliche Juwele finden sich jedoch kaum (eine lustige Version von "My Generation" immerhin). Eins jedoch wird klar: Keith "The Loon" Moon hatte bei der Sache mächtig Spaß. Singen kann er nicht, aber wenn er "In my life" anstimmt, trifft es dennoch: "All these places have their moments, with lovers and friends I still can recall. Some are dead and some are living. In my life I've loved them all."

Frank Bongers

CD: Keith Moon - "Two Sides of the Moon"
(Castle Music/Sanctuary CMEDD1068)

Keith Moon im Internet: www.keithmoon.co.uk

Sanctuary Records im Internet: www.sanctuaryrecordsgroup.co.uk

Cover: Gary Stromberg, Bruce Reiley, Skip Taylor, John Stronach, Keith Moon

© jazzdimensions 2006
erschienen: 5.9.2006
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