Jazzdimensions
www.jazzdimensions.de: jazz, worldmusic, songwriting & more
home / reviews / others / 2005
Sky Nonhoff - "Don't believe the hype"
Die meistüberschätzten Platten der Popgeschichte

Frech, pfiffig, hintersinnig und respektlos schreibt der Münchner Autor Sky Nonhoff über die "meistüberschätzten Platten" des Pop. Hier wird geketzert, polemisiert, gerüpelt, dass es nur so kracht ums empfindsame Popperherz. Am Buchende wird Antonin Artauds kategorischer Imperativ vom "Schluss machen mit der Vorstellung von Meisterwerken" zitiert. Aber da hat die Streitaxt schon kreuz und quer in der so gern denkmalschützenden Geschichte des Pop und Rock gewütet.

Sky Nonhoff - "Don't believe the hype"

Von Franz Ferdinand bis Jim Morrison, von Johnny Cash bis Eminem und Norah Jones, nichts und niemand entgeht der scharfen, geistreichen und stilistisch brillanten Feder von Sky Nonhoff und einiger Gastautoren, darunter auch der israelische Saxofonist Gilad Atzmon.

Alles Affirmative wird leichtfüßig weggekehrt, Heiligtümer dialektisch entweiht: Eric Clapton "tauge heute bestenfalls zur Fahrstuhlberieselung". Seinen Ruf als "Clapton is God" begründe sich auf der Einspielung seines Solos auf George Harrisons "While my guitar gently weeps". "Sergeant Pepper", das wichtigste Album der Pophistorie? "Da lach ich mir doch nen Ringo!": Schuld daran sei George Martin, der "meistüberschätzte Produzent der Popgeschichte", denn der habe mit seinem prätentiösen Stil die Kiste an die Wand gefahren und der Beatles Unschuld "verhökert". Nach wie vor genieße bei "Matten- und Jeansjackenträgern" die Allman Brothers Band Kultstatus, obwohl doch der geniale Duane Allmann der "größte Wichser - konservativ ausgedrückt, Slide-Gitarrist aller Zeiten" gewesen sei. Jim Morrison dagegen sei der Großselbstbediener in T.S. Elliot-, Nietzsche- und Blake-Zitatenbänken. Dagegen setze Tom Waits seit Jahrzehnten "auf Röcheln aus der Requisite und Schauspielhaus-Pändämonium".

"Exkremental" seien Roger Waters (Pink Floyd) Kompositionsbeiträge. Eine Kreuzung aus "Primadonna, Graf Arsch und Freizeit-Autist" wird dem Naturell von Van "the man" Morrison aus Nordirland zugeschrieben. Und den irischen Jungs aus der Republik von U2 wird "Pharisäertum" unterstellt. Vom "Bürgerschreck zum schenkelklopfenden Zotenclown" sei trotz unverändertem Bartschnitts Frank Zappa mutiert...

Verratene Träume, verkaufte Ideen, pervertierte Visionen. Besonders deutlich wird Nonhoff, wenn er auf Sting abzielt. Der habe "Gefühle, Politik und Hoffnungen in Waren verwandelt." Ja, darüber und über noch unendlich viel mehr kann man herrlich streiten, lachen und laut Sch... rufen, vor allem wenn den eigenen Göttern zuviel Putz abgekratzt wird. Aber das ist ja immer noch besser als die Musik Norah Jones, die unsere "Aufmerksamkeit nicht in Anspruch nehmen wird ... uns nichts abverlangen wird."

Na denn..., dann doch schon lieber etwas gehirnfurzige Polemik, die gehörig Widerspruch provoziert! Am Ende des Buchs findet sich dann auch noch eine Auswahl an den "eigentlichen Thronanwärtern" des Pop. Doch das ist eine andere Geschichte.

Herbert Federsel

Buch: Sky Nonhoff - "Don't believe the hype" (Fischer Verlag 2005)

Cover: n.n.

© jazzdimensions2005
erschienen: 25.10.2005
   home | interviews | reviews | clubtermine | tourtermine | festivaltermine | news | links
Sitemap  |   Impressum

 
interviews
reviews
live/clubs/berlin
live/on tour
live/festivals
news
links
home
info@jazzdimensions.de
Diese Seite drucken/Print this page
Empfehlungen: