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Kraan -
"Wiederhören"/"Nachtfahrt"/"Live 88"

Geht es um eine Auflistung innovativer deutscher Bands, fällt relativ früh der Name 'Kraan'. Verdientermaßen; der Sound der Gruppe hat Dank seiner schrägen Individualität und virtuosen Verschrobenheit nichts an Spannung eingebüßt – was das Label "Inside Out" veranlasste, einige Werke der mittleren Kraan-Periode als "Revisited-Edition" neu aufzulegen: Es handelt sich um "Wiederhören" von 1977, die 82er Scheibe "Nachtfahrt" und das Album "Live 88" aus eben demselben Jahr, liebevoll verpackt und mit lockendem Bonusmaterial angereichert...

Kraan - "Wiederhören"

Die für Einsteiger interessanteste der drei, weil "kraanigste", ist sicherlich "Wiederhören": Das Album setzt nach "Let It Out" die zweite Besetzungsphase der Band fort, wo Keyboarder Ingo Bischof den bis dahin soundprägenden Saxophonisten "Alto" Pappert ersetzte und kann als stellvertretend für diese Periode gelten. Bischof integriert sich nahtlos ins Gruppengefüge, tritt aber gelegentlich, wie mit einem Klaviersolo in "Rendezvous in Blue", solistisch nach vorne. Die rasanten Unisono Gitarre-Bass-Passagen von "Rund um die Uhr" und der Präzisonsgroove von "Yaqui Yagua" (nebst dem unverkennbaren Analogsynthysound) sind ebenfalls typisch Kraan.

Kraan - "Nachtfahrt"

Deutlich NDW-beeinflusst kommt dagegen "Nachtfahrt" daher (inzwischen mit Gerry Brown am Schlagzeug) – einige der teilweise deutsch gesungenen Stücke wirken inzwischen etwas kauzig und anstrengend (Gesang war damals keine wirkliche Stärke der Band), dafür aber hat die Platte mit "Wintruper Echo" einen Anwärter auf das "kraanigste Instrumental" aufzuweisen – ein fulminantes Auftaktstück und für sich schon Grund genug, diese Platte nicht missen zu wollen. Eine kleine Rarität ist das Bonusstück "The Daily Blues", das nach zwanzig Jahren Schranklagerung endlich veröffentlicht werden konnte, nachdem es aus Platzgründen seinerzeit nicht mit auf die LP durfte...

Kraan - "Live 88"

"Live 88" entstand zu einem Zeitpunkt im Jahr 1987(!), als die Band zwar viel auf Tour gewesen war, aber keine neuen Platten veröffentlich hatte. Nicht mehr so naiv wie früher, war Kraan spielerisch (mit Joo Kraus an der Trompete und wieder Jan Fride am Schlagzeug) voll auf der Höhe – die Aufnahme, die ein von Conny Plank spontan mitgeschnittenes Konzert im Berliner Quasimodo ohne große Nachbearbeitungen wiedergibt, zeigt dies deutlich (interessant ist es, das Stück "Vollgas Ahoi" mit dem Original auf "Wiederhören" und den anderen Live-Aufnahmen auf "Tournee" (1979) und "Live 2001" zu vergleichen...). Straff, fast kantig geht es zur Sache und strotzt vor Energie und Spielfreude.

Wiederhören macht Freude, so auch hier. Ob dies die drei wichtigsten Platten von Kraan sind, sei dahingestellt – verdienstvoll wäre es auch, das auf Spiegelei/Intercord erschienene Frühwerk neu aufzulegen (hier gibt es Gerüchte...). Bei knappem Geldbeutel sollte man sich aber zumindest "Wiederhören" gönnen. Immerhin dient hier ein fast zwanzigminütiges Bonusstück mit – na, was wohl? – einem echt Hattler'schen Basssolo als Argument ...

Frank Bongers

CD: Kraan - "Wiederhören" (Inside Out/Revisited REV 012)
CD: Kraan - "Nachtfahrt" (Inside Out/Revisited REV 013)
CD: Kraan - "Live 88" (Inside Out/Revisited REV 014)

Kraan im Internet: www.kraan.de

Inside Out im Internet: www.insideout.de

Covers: P. Wolbrandt ("Wiederhören"), P. Gruchot ("Nachtfahrt"), Dr. Love ("Live 88")

Mehr bei Jazzdimensions:
Kraan - "Dancing in the shade" - Review (4.2.2001)
Kraan - "Through" - Review (7.7.2003)

Noch mehr Info auf Michael Bohns Kraan-Seite: www.danbbs.dk/~m-bohn/kraan/

© jazzdimensions2005
erschienen: 7.11.2005
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