Der aus Chicago stammende Gitarrist Bruce Eisenbeil scheint auf "Mural" gegenüber dem, in anderer Besetzung eingespielten, Vorgängeralbum "Nine Wings" seine jazzigen Wurzeln weitgehend abgestreift zu haben. Oder darf man frei improvisierte Musik eines intensiv und diszipliniert agierenden Trios vielleicht doch dem Jazz zurechnen?
Bruce
Eisenbeil´s Crosscurrent Trio - "Mural"
Zu den Platten, die ohne weiteres "ins Ohr" gehen, gehört "Mural" mit Sicherheit nicht. Eisenbeils speziell besaitete Stratocaster klingt akzentuiert und perkussiv, seine Dynamik ist durch den beinahe unverzerrten, glockigen Klang ungeheuer groß. Verwendete Akkorde und das Tonmaterial haben oft eher Folk- als Jazzcharakter, erinnern daher punktuell an Fred Frith - und doch klingt Eisenbeil stets überraschend und eigenständig.
Ryan Sawyer am Schlagzeug agiert "freischwebend", ordnende Rhythmen oder gar Grooves geradezu vermeidend. Jason Brunka spielt seinen Kontrabaß mit dem Bogen, erreicht dabei cellistische Höhen: virtuos seine Einleitung zum spannenden "Christ V. Paradise", einem Höhepunkt der CD. Oft scheint er, unabhängig vom Rest des Geschehens, seine eigenen Wege zu gehen, legt - wie in "Wildflowers" kleine melodische Miniaturen in den Hintergrund.
"Mural" hat Konzertcharakter, was auch durch die hinter der Aufnahme stehende Philosophie bedingt ist - die Stücke werden in original gespielter Folge und, wie bei CIMP üblich, ohne weitere Schönung oder dynamische Nachbearbeitung auf die Platte gebracht.
Wer also die nötige Standfestigkeit mitbringt, und ein Ohr auf die New Yorker Improv-Szene werfen möchte, bekommt bei diesem Label Authentisches zu hören - zudem mit sehr informativen Linernotes.
Frank Bongers
CD: Bruce Eisenbeil´s Crosscurrent Trio - "Mural" (CIMP #194)
Bruce Eisenbeil im Internet: www.eisenbeil.com
CIMP im Internet: www.cadencebuilding.com
Cover: Kara D. Rusch