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Allan Holdsworth - "None Too Soon"

In seinem 1996 erschienenen Album "None Too Soon", das aktuell remastered neu aufgelegt wurde, widmete sich Meister Allan Holdsworth entgegen seiner bisherigen Gewohnheit zum ersten Mal der Interpretation von Stücken anderer bekannter Musiker, überwiegend Jazzstandards.

Allan Holdsworth - "None Too Soon"

Auf diese Idee brachte ihn sein langjähriger Freund und musikalischer Begleiter, Gordon Beck, der hier auch die Keyboards übernahm. Als Rhythmusgruppe fungierten die Ausnahmemusiker Garry Willis am Bass und Kirk Covington an den Drums, bekannt durch Scott Hendersons Band "Tribal Tech".

Die Holdsworth-typische Instrumentierung (Gitarre wechselt mit SynthAxe) steht für einen hohen Wiedererkennungswert. Das Album startet mit "Countdown" von John Coltrane, das zunächst mit einem recht aggressivem Outside-Solo Holdsworths einsteigt, bevor es in eine klassische Jazzstruktur mit Walking-Bass übergeht.

Das Cover des Titels "Nuages" von Django Reinhardt folgt darauf erheblich ruhiger, fast schwebend, und lässt Raum für ein Piano-Solo. Das ist aber auch der Schwachpunkt des Albums. Der Beatles-Song "Norwegian Wood" wirkt erfrischend und beschwingt; auch Irving Berlins "How Deep Is The Ocean" klingt, ebenfalls kaum wiederzuerkennen, wie ein eigenständiges Holdsworth-Stück – durchzogen von halsbrecherischen Sologitarren-Einlagen.

Das Titelstück "None Too Soon" (Gorden Beck) lebt von einer brilliant gespielten Holdsworth-Gitarre und bildet den musikalischen Höhepunkt dieses Albums. Bei "Very Early" von Bill Evans lässt Holdsworth viel Platz für Piano und Bass. Am Ende der schönen, ruhigen Interpretation setzt er sehr sphärisch die SynthAxe ein. "San Marcos" von Gordon Beck und "Inner Urge" von Joe Henderson liefern einen gelungen Ausklang eines außergewöhnlichen Albums.

"None Too Soon" bleibt trotz der Fremdkompositionen ein typisches Holdsworth-Album. Das liegt nicht zuletzt an der charakteristischen Gitarren-Stilistik (ungewöhnliche Skalen, komplexe Harmonien, große Intervalle, ausgefeilte Legatotechnik und hohes Spieltempo), die Holdsworth als einen herausragenden Gitarristen kennzeichnen, der die moderne Jazzgitarre entscheidend mitgeprägt hat. Nicht ohne Grund zählten und zählen zu seinen erklärten Bewunderern Musikgrößen wie Zappa, Metheny, van Halen, Santana, Satriani und viele andere...

Ulrich Mueller

CD: Allan Holdsworth - "None Too Soon" (Moonjune Records MJR 043)

Allan Holdsworth im Internet: www.therealallanholdsworth.com

Moonjune Records im Internet: www.moonjune.com

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2012
erschienen: 30.11.2012
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