Jazzdimensions
www.jazzdimensions.de: jazz, worldmusic, songwriting & more
home / reviews / jazz / 2012
Jürgen Attig - "Aventureiro"

Solo-CDs von Bassisten kranken oft daran, dass sie entweder zum Showcase nach außen getragener Virtuosität werden, oder, mit einem Seitenblick auf kommerzielle Reichweite, gnadenlos glatt und langweilig. Bei Jürgen Attig tritt der seltene, dritte Fall ein: hier ist erstens die Musik interessant, und wenn Attig seinen Bassmuskel mal richtig spielen lässt, dann auch songdienlich.

Jürgen Attig - "Aventureiro"

Jürgen Attig gehört in die Topliga der deutschen Bassisten, fiel aber bislang nicht dadurch auf, dass er sich sonderlich ins Rampenlicht gedrängt hätte – dementsprechend ist er "eingeweihten" Kreisen bekannt, oder aber den Fans jener Bands und Musiker, bei denen er zu Beginn seiner Karriere spielte – namentlich Felix de Luxe und (von 1989 bis 90) die Rainbirds. Seitdem ist viel Zeit vergangen und Attig verlegte seinen Schwerpunkt hin zum Jazz und weit weg in die USA.

Dort fiel er 1993 als Solist im Rahmen eines Tribute-Konzerts für Jaco Pastorius auf, was nicht nur bis heute seinen Sound prägt, sondern ihm Zugang zu den illustreren Kreisen der US-Jazzszene gewährte. Dies zahlte sich aus, als Attig das Lineup zu seiner aktuellen, ersten Solo-CD "Aventueiro" zusammenstellte (womit wir endlich beim Thema wären). Hier finden sich u.a. Raul Midon, Ronaldo Nascimento, Archie Peña und weitere Berühmtheiten ein, um sich an Attigs Kompositionen auszutoben.

Die Musik auf "Aventureiro" ist spritzig, vielfältig und weist sowohl lateinamerikanische als auch afrikanische Färbung auf. Attig stellt sich und seinen Bass nicht ins Zentrum, seine virtuosen Linien bilden aber deutlich das Rückgrat der Kompositionen. Setzt er seinen bundlosen Bass ein, ist die Verwandschaft zu Pastorius nicht zu verleugnen, an seinem 7-saitigen Marleaux-Bass klingt Attig hingegen gitarristischer. Bemerkenswert, dass "Aventueiro" über weite Passagen von bemerkenswerten Gesangsstimmen geprägt ist – neben Nascimento und Midon fallen hier Tonia Elisabeth und Sibonginesi Ndlovu auf.

"Ausgelassenheit" wäre ein Stichwort, mit dem man diese CD und ihre musikalische Botschaft umschreiben könnte. Attig hatte sichtlich seinen Spaß, der sich auch auf den Hörer überträgt. Beim letzten Stück, "The Pan Handler" wird es dann doch nachdenklicher – hier tritt der große Pastorius selbst auf, wenn auch nur als Sample. Auch ihm hätte dies hier wohl gefallen...

Frank Bongers

CD: Jürgen Attig - "Aventureiro" (Sony Music 88691944642)

Jürgen Attig im Internet: www.juergenattig.com

Sony Music im Internet: www.sonymusic.de

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2012
erschienen: 20.3.2012
   home | interviews | reviews | clubtermine | tourtermine | festivaltermine | news | links
Sitemap  |   Impressum

 
interviews
reviews
live/clubs/berlin
live/on tour
live/festivals
news
links
home
info@jazzdimensions.de
Diese Seite drucken/Print this page
Empfehlungen: