Albert Mangelsdorff hat mit "Trombirds" vorgemacht, was es heißt, ein Album nur mit einer Solo-Posaune einzuspielen. Joey Sellers macht es ihm nach. Er geht noch einen Schritt weiter, nennt er sich doch "Joey Sellers Solo Trombone", als wären er und sein Instrument ein und dasselbe.
Joey
Sellers Solo Trombone - "What the ...?"
Damit ist klar, dass es sich bei "What the ... ?" um ein kompromissloses Album handelt. Gleich beim ersten Titel "Dakin Hall Blues" quetscht, stopft, spüttert und pumpt Sellers in seinem Instrument hinein, dass es nur so eine wahre Freude ist. Seine "Bach 36" klingt wie durch einen Schlauch geprustet, in Wasser geblasen und auch mal, ganz fremd, wie eine Trompete. Als wäre es ein Instrument aus Gummi.
Das ist virtuos und spielerisch gleichzeitig, und genau das macht den Charme dieses Albums aus. Es geht Sellers nicht darum, zu beweisen, wer der größte Posaunen-Virtuose weit und breit ist, sondern eben darum, die Klangvielfalt der Posaune auszutesten, ohne bierernst Musik zu machen, sondern schalkhaft und tiefgründig zu bleiben und damit einen bestimmten Charakter des Instrumentes Rechnung zu tragen.
Gleichzeitig erlaubt es sich Sellers, wortwörtlich kleine Geschichten zu erzählen, die von ihm an der Posaune kommentiert oder hintertrieben? werden. Neben achtzehn improvisierten Miniaturen gibt es auch vier Interpretationen von Klassikern wie "Monk's Dream" und "Stompin´ at the Savoy" zu hören. Alles zusammen gehört zu dem Witzigsten und Charmantesten, was hierzulande im vergangenen Jahr an Musik veröffentlicht wurde.
Michael Freerix
CD: Joey Sellers Solo Trombone - "What the ...?" (Circumvention Records SA-083)
Joey Sellers im Internet: www.joeysellers.com
Circumvention Records im Internet: www.circumventionmusic.com
Cover: Garrett Yanai/Cori Sellers