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Nels Cline - "Dirty Baby"

"Schmutziger Liebling" klingt eigentlich wie der Titel zu einem B-Film, doch damit hat das neue Doppelalbum von Nels Cline rein gar nichts zu tun, sondern um ein Produkt "hoher Kunst". Er erhielt den Auftrag, zu einer Bilderserie des US-amerikanischen Malers und Fotografen Ed Ruscha, einem führenden Vertreter der Pop-Art, Musik zu komponieren. "Dirty Baby" ist also eine Art Soundtrack zum Schaffen des Bildkünstlers Ed Ruscha.

Nels Cline - "Dirty Baby"

Obwohl Nels Cline als Gitarrist heutzutage in einer ähnlichen Liga wie etwa Bill Frisell spielt, lässt er sich nur schwerlich einordnen. Allzu sehr ist der Name Cline mit der New Yorker Außenseiterszene vom Beginn der achtziger Jahre verbunden, in der ungeheuer viel zwischen Rock und Jazz experimentiert wurde. Spuren davon lassen sich auch auf "Dirty Baby" finden, doch sind viele Stücke ganz und gar auskomponiert und nur geringe Teile davon Ergebnisse einer experimentellen Arbeit.

"Dirty Baby" teilt sich in zwei CDs auf. Die erste, "blaue" CD ist eine Art "Suite in sechs Teilen", die vom Gesamtschaffen des Malers Ed Ruscha inspiriert sind. Teilweise folkloristisch, wagt er in diesen sechs Teilen auch den Brückenschlag zu Noise und Hard-Rock. Die zweite, "rote" CD hingegen versammelt die 33 Titel, die Cline zu den Bildern von Ruscha komponiert hat und ist eher kammermusikalisch konzipiert. Hier dominieren Streichinstrumente, die im Verbund mit elektrischer Gitarre und Schlagwerk dissonant-harmonische Miniaturen entstehen lassen.

Beide Male steht Clines Gitarrenspiel selten im Mittelpunkt der Musik, sondern das gesamte Ensemble verbindet Elemente des Rock mit Jazz und zeitgenössischer Kammermusik mit Klangforschung auf einzigartige Weise. Musik und die von David Breskin, dem Ideengeber dieses Projektes, gelesenen Gedichte sind, zusammen mit den Bildern von Ed Ruscha, als dickes Buch erschienen.

Auf Cryptogramophone ist nun der musikalische Anteil als Doppel-CD in einer Box erschienen. Tatsächlich ist es dabei gelungen, durch zwei Beihefte die Bilderwelten von Ruscha einzufügen, so dass man nicht nur die Musik, sondern auch die Kunst dazu im Kleinformat genießen kann.

Selten wird so viel Mühe auf das Drumherum für Musik verwandt. Hier ist es in seiner ganzen Konsequenz – und Transparenz – durchgezogen worden. Die Musik steht dabei den Bildern in nichts nach. Atemberaubend.

Michael Freerix

CD: Nels Cline - "Dirty Baby" (Cryptogramophone CG 142)

Nels Cline im Internet: www.nelscline.com

Cryptogramophone im Internet: www.cryptogramophone.com

Cover:Spottswood Erving

© jazzdimensions 2011
erschienen: 20.1.2011
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