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Inge Brandenburg - "Sing! Inge, sing!"

Wäre sie Amerikanerin, zählte man sie vermutlich zu den ganz Großen und sie hätte so tiefe Spuren im Bewusstsein der Jazzhörer hinterlassen, dass sie nie hätte in solche Vergessenheit fallen können. Nun hat man die Chance, sie wieder ins Licht treten zu lassen: Inge Brandenburg, Jazzsängerin. Nein, vielmehr: Deutschlands beste Jazzsängerin.

Inge Brandenburg - "Sing! Inge, sing!"

Der Beginn der 60er Jahre erwies sich, Talent hin oder her – und Talent hatte Inge Brandenburg eine Menge – nicht als der günstigste Zeitpunk für eine deutsche Jazzkarriere. Zumindest nicht für eine nachhaltige. Zu viele Umstände kamen zusammen, wie fehlender Sachverstand seitens der Plattenfirmen, des Publikums, falsche Ratgeber, und, im Fall von Inge Brandenburg, möglicherweise auch schlichtes Pech. Aufmerksamkeit war da, auch Konzerte und Erfolg. Vorübergehend. Seltsamerweise, muss man im Nachhinein sagen, geschah auf dem Schallplattensektor: nichts.

Die auf dieser CD versammelten Aufnahmen – eigentlich "nur" der Soundtrack zu Marc Boettchers gleichnamiger Filmbiografie der Sängerin – stammen zum Großteil aus Rundfunk- und Fernseharchiven. Nach ihrem (damals schien es so) "Durchbruch" auf dem Jazzfestival Frankfurt 1958, gab es etwa drei Jahre, während derer Inge Brandenburg vom Hessischen, Bayerischen und Westdeutschen Rundfunk gefeatured wurde, ebenso von RIAS und anderen Sendern. Auch tauchten Songs mit ihr in Soundtracks (was man damals noch nicht so nannte) damals erfolgreicher Filme auf. Relevante Plattenveröffentlichungen? Fehlanzeige. Die Aufnahmen blieben im Wesentlichen im Regal.

An der Musik kann es nicht gelegen haben, sondern an schierer Ignoranz. Was man auf dieser CD hört, ist eine Jahrhundertstimme, die im Vergleich jeden berühmten Namen (und das ist international gemeint) verblassen lässt. Inge Brandenburg hätte es verdient, in den Himmel gehoben zu werden. Zu spät ist es dafür noch nicht. "Sing! Inge, sing!" führt neunzehn Beweise für die Qualität dieser Sängerin an, die sich an Großartigkeit gegenseitig überbieten. Lediglich drei Songs (darunter eine späte Aufnahme von 1995, sowie zwei deutsch gesungene Texte mit gewisser Schlagernähe) halten dieses Niveau nicht ganz (aber beinahe).

Diese Stimme hatte alles – Kindlichkeit und Verruchtheit, Schwärze und Brillanz, Sehnsucht und Lebenserfahrung. "It's the wrong time, and the wrong place" singt Inge Brandenburg in "It's all right with me". Man möchte ihr beipflichten und freut sich doch, dass sie damals vor dem Mikrophon stand. Und dass man ihr heute zuhören darf. Liebe Archivleute: Bitte mehr davon!

Frank Bongers

CD: Inge Brandenburg - "Sing! Inge, sing!" (Silver Spot Records 1036002SSR)

Inge Brandenburg im Internet: www.inge-brandenburg.de

Silver Spot Records im Internet: www.silverspot-records.com

Cover: www.g2.de

© jazzdimensions 2011
erschienen: 6.11.2011
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