Angel spielt Improvisationsmusik irgendwo zwischen Rock und Jazz, ohne das man ihr Debüt als "Rockjazz" klassifizieren könnte. An elektrischer Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug erzeugt das Trio einen kleinen Wirbelsturm an entfesselten Geräuschen, die wie Lava aus der Erde hervor quillt. Musik die aufeinander zu stürmt, sich ineinander verheddert und wieder auseinander strebt.
Angel
- "Angel"
Jazz klingt hier bröckelig und zersetzend, wird durch den Einfluss von Punk und Noise-Rock zu etwas neuem geformt. Stephan Sieben an der elektrischen Gitarre spielt "sheets of sound", Adam Pultzs Melbye zerrt an seinem Kontrabass und drischt auf ihn ein, als würde er diesen in Stücke reißen wollen und Håkon Berre legt mit seinem Schlagzeugspiel ein bedrohliches Grummeln in den Hintergrund. Das "Klangereignis" ist hier Zentrum der Musik, nicht die Melodie oder das solistische Können der einzelnen Musiker.
Angel verschmelzt Rock und Jazz konfrontativ miteinander. Die Musiker schöpfen voller Unabhängigkeit eine Art "No Wave", eine fremde, zeitgenössische Musik, die in keinen Kammermusiksaal passt. Ihr Debütalbum ist ein Wutereignis, voller Brüche und Zäsuren, immer scharf an der Grenze zum völligen Zerfall, ohne zerstörerisch zu wirken.
Getrieben vom Wunsch, Neues zu erfinden, zu erforschen oder hörbar zu machen debütiert dieses Trio mit einem Album voll rohem Erfindungsreichtum.
Michael Freerix
CD: Angel - "Angel" (Ilk Records ILK 157CD)
Angel im Internet: www.myspace.com/angeldk
Ilk Records im Internet: www.ilkmusic.com
Cover: Jan Oksbøl Callesen und Flemming Dupont