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Erik Truffaz - "Rendez-Vous"

"Paris", "Benares" und "Mexico" lauten die Untertitel der drei CDs der Box "Rendez-Vous" des französichen Trompeters Erik Truffaz. Auf dem Cover abgebildet, ein Wegweiser vor grauer Landschaft, der die Richtungen zu den drei genannten Orten angibt. Wie es Wegweiser so an sich haben – sie stehen nie dort, wo sie hinweisen. Ein "Rendez-vous" im Niemandsland also?

Erik Truffaz - "Rendez-Vous"

So interpretiert, verwundert es wenig, dass weder "Paris" nach Paris, "Benares" ausgesprochen indisch, noch "Mexico" nach Mariachi klingt. Für Truffaz wäre dies auch zu naheliegend. Ein Bezug besteht zwischen Musik und CD-Titel jeweils allerdings schon. Nur macht Trufazz es sich nicht so einfach, etwa seinen Jazz durch bloße Beimengung ethnischer Klänge zu färben.

Die zentrale CD der Trilogie, "Paris", nimmt diese Position nicht aufgrund ihrer Länge ein – mit nur 37 Minuten ist sie verhältnismäßig kurz. "Mexico" unterschreitet dies jedoch um weitere zehn Minuten, allein "Benares" hat mit 48 Minuten "normale" Spieldauer. Wichtiger als Material zu sparen, war hier die Trennung in drei unterscheidbare künstlerische Aussagen. Was Truffaz hier musikalisch beschreibt, ist das Ergebnis von zweijähriger Reisetätigkeit, die ihn vom heimatlichen Paris nach Kalkutta und schließlich nach Mexico City führte. Überall fand er Partner für musikalische Zusammenarbeiten, wobei sein Trompetenspiel sich durch deren Ergebnisse zieht wie ein roter Faden.

"Mexico" beispielsweise entstand in Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Ambient-Künstler Murcof – allerdings nicht vor Ort, sondern quasi "interkontinental" zwischen Barcelona und Mexico City. "Benares" hingegen wurde vor Ort in Indien aufgenommen, mit Malcolm Braff am Piano und den lokalen Künstlern Apura und Indriana Mukheref (Tabla und Stimme). Beiden CDs gemeinsam ist die zerdehnte Zeitwahrnehmung, in der die Musik zelebriert wird, wobei "Benares" hier zwischen "indisch" und "westlich" abwechselt – und doch im fernöstlichen verankert bleibt durch die rauchige Stimme Indriana Mekherefs. Die Trompete setzt ihre melancholischen Akzente, versucht aber nie zu dominieren (Anspieltipp auf Benares: "Yay!").

Das seltsamste Werk der Trilogie ist ausgerechnet das mit "Paris" betitelte. Hier erscheint Truffaz im Duo mit dem Sänger Sly Johnson, der, studiotechnisch vervielfacht, einen musikalischen A-Capella Hintergrund für die Trompete bildet. Das Klangbild ist, gelinde gesagt, ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig, entbehrt aber nicht eines gewissen Humors – vor allem dort, wo sich Truffaz und Johnson Kompositionen der Beatles ("Come Together") und Brian Ferrys ("Don't Stop") widmen. Über alle neun Stücke hinweg wirkt das Konzept leider etwas ermüdend, mit Ausnahme von "Goodbye Tomorrow", wo Johnson nicht reine Vokalisen, sondern tatsächlich Text singt.

Somit ist der einsame Wegweiser durchaus ein treffliches Sinnbild für die Position Truffaz' in der Musik – vielleicht nicht gerade zwischen den Stühlen, aber immerhin zwischen den Welten. Insgesamt eine sehr vielfältige, aber größtenteils höchst eindringliche Zusammenstellung.

Frank Bongers

CD: Erik Truffaz - "Rendez-Vous" (Blue Note/EMI 5099924367622)

Erik Truffaz im Internet: www.eriktruffaz.com

Blue Note Records im Internet: www.bluenote.net

Cover: Laurent Goldstein

© jazzdimensions 2009
erschienen: 25.1.2009
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