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Pat Metheny - "Day trip"

Bereits im letzten Jahr sorgte der Gitarrist mit gleich zwei Alben für Aufsehen. Jedoch waren beide Werke, die in Zusammenarbeit mit dem Pianisten Brad Mehldau entstanden, ein wenig blass. Vielleicht lag es daran, dass Mehldau sich zu sehr zurückhielt und Metheny dem Ganzen seinen Stempel mit ziemlicher Wucht aufdrückte, sprich: das Zusammenspiel mit seinem Partner erdrückte. Zuviel Metheny, zu wenig Mehldau also...

Pat Metheny - "Day trip"

Bei seiner neuen CD "Day trip" gibt es darum gleich wieder 100 Prozent Metheny pur: Mit seinem "neuen" Begleitern Christian McBride, Bass, und Antonio Sanchez, Schlagzeug, formiert der Gitarrist ein homogenes Trio. "Neu" steht deswegen in Anführungszeichen, weil sich die drei Herren schon seit vier, fünf Jahren kennen und immer mal wieder zu verschiedenene Zeiten zusammen gekommen sind, um auf Tournee zu gehen. Und Antonio Sanchez ist eh fester Bestandteil der Pat Metheny Group.

"Day trip" entstand denn auch eher auf die konventionelle Art: zuerst wurde ausgiebigst getourt, dann ging man für einen Tag ins Studio und nahm das Album an einem Stück auf. Dass die drei also aufeinander eingespielt waren, davon konnte man bei den Aufnahmen, die bereits im Oktober 2005 in Manhattan eingespielt wurden, somit ausgehen: "Wir arbeiteten wie besessen," sagte Metheny anschließend, "und beendeten die Aufnahmen innerhalb eines Tages, daher passt der Name 'Day trip' ziemlich gut." Außerdem, so der Gitarrist weiter, würde man den Hörer auf eine Reise mitnehmen. Aber schon beim ersten Hören wird deutlich, dass diese Reise kein Frühlingserwachen wird. Zu vorhersehbar ist vieles geraten, zu glatt. – Erwarte ich vielleicht einfach zu viel? Immerhin, es ist Pat Metheny, der da Gitarre spielt. Und ich habe dass Gefühl, ihm will so recht nichts Neues mehr einfallen.

Klar, für sich genommen sind die einzelnen Stücke immer noch gut, aber in ihrer Gesamtheit dann doch zu gleichförmig, zu geschliffen, vielleicht gar zu abgegriffen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls kein Vergleich zu älteren Alben, etwa "Song X", das gerade sein 20-jähriges Jubiläum feiert. Und trotz einiger Raffinessen bleibt der Tagestrip für mich farblos. Selbst Bassist Christian McBride bezeichnet "Day trip" im nachhinein als "weichen, eher traditionellen Sound".

Aber gerade da, wo es richtig "traditionell" wird, beim bluesgetränkten "Calvin's keys" oder dem auf der Akustikgitarre und mit gestrichenem Bass gespielten "Is this America?" läuft das Werk zu seiner Hochform auf. Nimmt man dann noch das groovige "When we were free" hinzu und das rockige "The red one", dann kommt man immerhin auf vier richtig gute Stücke. Ich meine damit wirklich gute Stücke, die sich in meinen Ohren über das ansonsten eher durchschnittliche Werk hinweg abheben. Für Metheny-Fans mag das, plus einiger guter Soli, reichen, Mir ist es für ein ganzes Album zu wenig.

Hermann Mennenga

CD: Pat Metheny - "Day trip" (Nonesuch Records 292284)

Pat Metheny im Internet: www.patmetheny.com

Nonesuch Records im Internet: www.nonesuch.com

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2008
erschienen: 2.3.2008
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