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Fred Hersch - "Let yourself go"
Die Leben des Jazz Pianisten Fred Hersch

Möglicherweise geben ihm seine Konzerte tatsächlich unglaublich viel Kraft und vielleicht ist ja die Musik wirklich eine "healing force". Jedenfalls grenzt es an ein Wunder, dass der an AIDS erkrankte Pianist Fred Hersch noch lebt. Selbst unter den schlechtesten gesundheitlichen Voraussetzungen tritt er auf und hat so viel zu geben: er, der neben Keith Jarrett wohl bekannteste amerikanische Pianist, spielt eine Musik, die zur recht als "Poesie" bezeichnet wird.

Fred Hersch - "Let yourself go" (Dokumentation)

Lyrisch, sanft, musikalisch äußerst vielseitig, immer gedankenvoll (und möglicherweise hat Hersch dabei wirklich Worte und Aussagen vor Augen), klingt diese wunderbare Musik seelenvoll und oft schwerelos schwebend. Die vorliegende DVD "Let Yourself Go – Die Leben des Jazz Pianisten Fred Hersch" ist dabei keine jener unzähligen, Stunden dauernden Konzertaufnahmen, die lediglich die Mitschnitte eines oder zweier Konzerte zusammenfassen – hier handelt es sich um eine echte Dokumentation über einen Künstler.

Und wer, wie die Filmemacherin Katja Duregger, seinen Job ernst nimmt, erarbeitet ein fundiertes, sozusagen "mehrspuriges" Konzept mit parallelen Themensträngen: "Jazz", "Lehrer", "AIDS", "Konzerte" und "Info" lauten in diesem Fall die Überschriften der vier ausgewählten Schwerpunkte. Daneben existiert ein langer Hauptfilm, der weitere Themen anspricht und sie in chronologischer Folge abrollen lässt.

Die Filmemacherin suchte sich unterstützendes Fotomaterial aus Archiven und lässt neben dem Protagonisten weitere Personen zu Wort kommen, deren Kommentare und Statements uns ein ausgezeichnetes Gesamtbild über den Musiker und Menschen Hersch verschaffen: Über jemanden, der in der Gegenwart lebt und um die Kurzlebigkeit und ständig vorhandene Bedrohung mit dem Tod weiß. Und der damit umzugehen weiß: "He does things now. And he really makes them happen now", heißt es so schön im Film.

Hersch ist ein erstklassiger Musiker, ein Mensch, der von jeher Spaß am Spiel mit Musik und Sprache hatte. Und er, "dessen Vielseitigkeit keine Grenzen kennt", ist bereits jetzt eine lebende Legende. Erlebt man seine Art zu unterrichten, lauscht man seinen Worten über das Leben mit AIDS, sieht und hört ihn spielen: man kann viel für sich, für das eigene Leben lernen. Fred Hersch "is and always will be: a fighter!" ist ein weiteres Zitat, das die Rezensentin aus dieser – übrigens auf Deutsch und Englisch erlebbaren Dokumentation – mitnimmt.

Ein faszinierender Mensch und Musiker wird hier vorgestellt, sehr einfühlsam, aber auch mit der notwendigen Distanz. Die Fähigkeit, "Dinge stehen lassen zu können", sich ihnen aber gleichzeitig intensiv zu widmen, ist ein Markenzeichen dieses Portraits und Zeitdokuments. Man sollte diesen Film mit Preisen überhäufen, sollte der Filmemacherin die Mittel geben, dass auch in Zukunft mehr solch ausgezeichnete, im Grunde unbezahlbare Dokumente möglich sind!

Carina Prange

DVD: Fred Hersch - "Let yourself go" (Dokumentation)
(Aha! DVD; ISBN: 978-3-00-026311-8; 106 min)

Fred Hersch im Internet: www.fredhersch.com

Katja Duregger im Internet: www.kduregger.de

Aha! DVD im Internet: www.aha-dvd.com

Cover:Aha! DVD

© jazzdimensions 2008
erschienen: 14.12.2008
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