Jazzdimensions
www.jazzdimensions.de: jazz, worldmusic, songwriting & more
home / reviews / jazz / 2007
Sonny Rollins - "Sonny, Please"

Wenn einer wie der mittlerweile 76-jährigen Tenorsaxophonisten Sonny Rollins noch einmal ein Album auf den Markt bringt, dann ist ihm die Aufmerksamkeit der gesamten Presse sicher. Sonny ist also zurück. Und wie! Er hat nichts von seinem Talent eingebüßt, er klingt kräftig und vital wie eh und je.

Sonny Rollins - "Sonny, Please"

"Sonny, Please" ist sein erstes Studioalbum seit 5 Jahren, und zum ersten Mal hat der Titan am Tenor alles selber in die Hand genommen bzw. nehmen müssen. Nach dem Tode seiner Frau vor zwei Jahren, die ihm das Geschäftliche, die lästige Pflicht, abnahm, und viele sich fragten, ob Mr. Rollins überhaupt noch einmal zurückkehren würde, überrascht er uns mit einem ideenreichen, improvisatorisch höchst anspruchsvollen Werk, herausgegeben auf dem extra dafür gegründeten eigenem Label Doxy.

"Sonny spielt sich auf diesem Album wirklich die Seele aus dem Leib", bemerkt auch Clifton Anderson, langjähriger Posaunist in Rollins Band, der die CD produzierte. Das ist unbestreitbar wahr. Aufgenommen hat Sonny Rollins das Album mit seiner bestens aufeinander abgestimmten Band kurz nach der Rückkehr von einer ausverkauften Japan-Tournee im November 2005. Er selbst merkt dazu an, dass die Musiker prima zusammengespielt haben, so dass er mit freiem Kopf improviseiren konnte, da sich die Dinge ab einem gewissen Punkt wie von selbst ergaben.

Die anderen Musiker, das sind der schon erwähnte Posaunist Clifton Anderson; der Bassist Bob Cranshaw, der schon seit 1959 diverse Male mit dem Saxophonisten zusammengespielt hat und zu seinem bevorzugten Mitspielern zählt; Gitarrist Bobby Broom; Schlagzeuger Steve Jordan, der in den 80er Jahren schon mit Rollins zusammengearbeitet hat; und komplettiert wird die Band von Perkussionist Kimati Dinizulu, der vor rund 6 Jahren dazustieß. Musikalisch ist das Programm von "Sonny, Please" eine gesunde Mischung aus Standards und Eigenkompositionen. "Remembering Tommy" ist eines dieser eigenen Stücke und dem verstorbenen Pianisten Tommy Flanagan gewidmet. Mit ihm zusammen hatte Rollins den Track schon vor 15 Jahren einmal aufgenommen.

"Sonny, Please" ist das erste Album von Sonny Rollins auf seinem neu gegründeten Label Doxy. Er wollte mehr Kontrolle über seine Musik, jetzt da seine Frau Lucille nicht mehr da ist, um sich um die Geschäfte zu kümmern. Ihr ist auch der Titel der CD zu verdanken, denn sie mahnte ihren Mann damit immer, ein wenig ernsthafter zu sein. Der Sprung in die Selbständigkeit jedenfalls scheint sich gelohnt zu haben: "Sonny, Please" wurde bereits jetzt für einen Grammy in der Sparte "Bestes Jazzalbum" nominiert. Doch Sonny Rollins scheint sich daraus nicht viel zu machen, wie er vor kurzem in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau zugab. Überhaupt hat er die Illusion verloren, mit Musik die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen verändern zu können. Das war zu Beginn seiner Karriere anders.

Also ist Sonny Rollins ein desillusionierter alter Mann, der sich von seinen Idealen verabschiedet hat? Keineswegs, denn dazu ist seine Musik zu frisch, zu durchdacht, und zu schön, um dem Kopf eines verbitterten Menschen zu entspringen. Und niemand schafft es so wie er, Jazz mit karibischen Einflüssen zu verbinden. Sonny Rollins bleibt auch hier ein "Saxophone Colossus".

Hermann Mennenga

CD: Sonny Rollins - "Sonny, Please" (Emarcy Rec / Universal)

Sonny Rollins im Internet: www.sonnyrollins.com

Emarcy Records im Internet: www.emarcy.com

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2007
erschienen: 16.3.2007
   home | interviews | reviews | clubtermine | tourtermine | festivaltermine | news | links
Sitemap  |   Impressum

 
interviews
reviews
live/clubs/berlin
live/on tour
live/festivals
news
links
home
info@jazzdimensions.de
Diese Seite drucken/Print this page
Empfehlungen: