Die Berlinerin Marwie interpretiert auf ihrem Debütalbum diverse Klassiker der Pop- und Jazzgeschichte, die zunächst mal so gar nicht zusammenpassen. Da wechselt sich Tom Jones' "Help Yourself" mit Trios "La Le Lu" und Sades "No Ordinary Love" ab. Passt nicht? Doch. Stilsicher nennt man so was.
Marwie
- "Marwie"
Denn die zehn Titel auf "Marwie" greifen cool und gradlinig in das Geschehen ein und halten durchweg eine Stimmung aufrecht, die die Stimmung des Coverdesigns unterstreicht: Dunkel, aber elegant … und unbedingt cool. Marwies Stimme ist sicher nicht die Reinkarnation Sarah Vaughans, schlängelt sich aber gekonnt von Song zu Song und erzeugt so mit der eher sparsamen Instrumentierung eine sehr stimmige Atmosphäre.
Obgleich die ausgewählten Stücke teilweise zum Größten gehören, dass die Pop-Geschichte hervorgebracht hat, hält sich Marwies Respekt, will sagen, Angst, darüber in abgeklärten Grenzen. Souverän, fast respektlos, macht sie sich über "Ain't No Mountain High Enough" oder "La Vie En Rose" her. Bene Aperdannier der zugleich Piano, Akkordeon und Rhodes spielt, hat mit Marwies Debütalbum ein gelungenes Album produziert, das auf mehr hoffen lässt.
Sollte sich Marwie in der Zukunft weiter steigern, wird sie sich ohne große Probleme, ehrlich und unaufgesetzt wie ihr Album, ihren Stammplatz im deutschen Jazzkreisen erarbeiten. Und genau an dieser Stelle schmeichelt mir Marwie etwas entgegen, das ihr Motto zu sein scheint: "Ain't no river wide enough to keep me from gettin' to you." Glückwunsch, Marwie "unaufdringlich" is the word!
Michael Arens
CD: Marwie - "Marwie" (X-times M Records)
Marwie im Internet: www.marwie-music.com
X-times M Records im Internet: www.xtimesm.com
Cover: Jörg Grosse Geldermann / Make my day