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Henry Grimes
- "Signs Along The Road - Poems"
(Buchrezension)

Das Leben geht oft seltsame Wege bzw. wir kennen unser Schicksal nicht oder noch anders ausgedrückt: Wunder geschehen immer wieder. Bei der Auseinandersetzung mit Henry Grimes' Gedichtband, unabdingbar verbunden mit dem Versuch, seinem Lebensweg zu folgen, kommen einem Gedanken wie diese immer wieder in den Sinn.

Henry Grimes - "Signs Along The Road - Poems"

Der Bassist Henry Alonzo Grimes, Jahrgang 1935, verschwand im Jahre 1968 spurlos von der Bildfläche der musikalischen Bildfläche des Freejazz. Die diversen Gründe, warum das so war, kennt nur er selbst - bekannt ist, er hat seinen Bass reparieren lassen müssen - hatte das Geld dafür nicht und verkaufte ihn so, um ihn möglichst bald zurückzuerwerben, was nie geschah.

Henry Grimes durchwanderte nun drei Jahrzehnte lang die verschiedenen Stufen des Armseins im reichsten Land der westlichen Welt, den U.S.A. und wurde, und das grenzt tatsächlich an ein Wunder, von einem jazzbegeisterten Sozialarbeiter "entdeckt". In aller Kürze gesagt: nun steht der Altmeister seit ein paar Jahren wieder auf der Bühne, hat u.a. mit Cecil Taylor und Marc Ribot, der die einleitenden Worte zum Buch verfasste, Konzerte gespielt und CDs aufgenommen. Nahezu als wenn es gar nichts wäre ist er wieder da, die Musikwelt hat ihn wieder, William Parker stiftete ihm einen grünen Bass, genannt "Olive Oil" und der Freejazz hat einen Star zurückerhalten. Klingt wie ein Märchen, ist es aber nicht.

Ein Dokument von den vielen Jahren dazwischen legen Grimes Gedichte ab - Gedichte, sich reimende und nicht reimende, mit Metaphern, Wortbildungen, voll Ideenreichtum und Genialität, mit Tiefgang und von der Auseinandersetzung mit den Umständen redend. Inhaltlich drehen sie sich um alles, was das Leben ausmacht, Alltagserlebnisse fließen ebenso mit ein wie die Beschäftigung mit höheren Mächten, Spiritualität, Freiheit, Politik und dem Sinn des Lebens an sich.

Als Journalist droht man oft zu scheitern, wenn man Jazzmusik oder Musik überhaupt mit Worten zu beschreiben sucht. Dass es Grimes gelang, in einer Zeit, in der ihm die Musik als Ausdrucksmittel nicht zur Verfügung stand, einen adäquaten Ersatz in den Worten und der Poesie zu finden, ist schier unglaublich. "Signs Along The Road" ist eine Pflichtlektüre für jeden Fan von Jazzmusik abseits des Mainstream, aber auch für jeden Menschen, dem die Schicksale der Mitmenschen nicht egal sind. (Des Englischen sehr mächtig muß der Leser allerdings sein, sonst gehen ihm zuviele Nuancen verloren.)

Carina Prange

Buch: Henry Grimes - "Signs Along The Road - Poems" (Buddy's Knife Jazzedition, ISBN 978-3-00-020142-4)

Henry Grimes im Internet: www.henrygrimes.com

Buddy's Knife Jazzedition im Internet: www.buddysknife.de

Cover photo: Skip Bolen

© jazzdimensions 2007
erschienen: 12.7.2007
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