Im Presseinfo ist von "spannungsvoller Ambivalenz", "nuancenreichen Fließbewegungen" und "formsicheren organischen Bögen" die Rede. Das stimmt mich zunächst kritisch, denn nach Musik im eigentlichen Sinne klingt das nicht. Eher nach einer Vorlesung im zweiundzwanzigsten Semester Philosophie.
Klaus
Gesing - "Heartluggage"
Der Opener "Dorothy's Dance" stellt zunächst mal die Weichen in eine Richtung, die nur Liebhabern von mittelalterlichem Liedgut gefallen dürfte. Das fatale (oder gewollte?) daran ist, dass es danach einen klaren Richtungswechsel gibt. Wahlösterreicher und Aerofonbläser Klaus Gesing nimmt sich in allen weiteren Stücken des Albums eher sanfteren Tönen an, die gemeinsam zwar einen sphärischen, ruhigen Klang ergeben, dabei aber nur selten an die erwähnte Albumeröffnung erinnern. Einzelne Stücke auszumachen ist und bleibt auch nach wiederholtem Hören schwer. Jazz? Experimentalmusik? Entspannungs-musik?
Stücke wie das sanft swingende "Tanz ohne Antwort" scheinen zwischenzeitig das Ruder in Richtung Jazz zu drehen, doch so richtig entscheiden wollen sich die neun Lieder nicht. So schwer sich bereits im Presseinfo eine klare Richtung ausmachen lässt, so unmöglich wird das nach Durchhören des Albums. Das Spiel Gesings, virtuos und stets aufgeräumt und kontrolliert, liefert dabei ebenfalls keine klaren Antworten, obwohl im letzten Track, dem Titeltrack des Albums, "Heartluggage", doch noch mal schnell der Jazz in den Vordergrund gespielt wird.
Quotenjazz? Der Gedanke drängt sich auf. Von "komplexen Kuchen-Klängen" ist sogar im Booklet die Rede. Es dürfte schwer fallen, "Heartluggage", bei aller spielerischen Qualität, einem breiteren Publikum verständlich zu machen. Das Herzensgepäck ist kopflastig.
Michael Arens
CD: Klaus Gesing - "Heartluggage"
(ATS Records/jazz-network.com CD-0610)
Klaus Gesing im Internet: www.klausgesing.com
ATS Records im Internet: www.ats-records.com
jazz-network.com im Internet: www.jazz-network.com
Cover: Knut Schötteldreier