Lange, viel zu lange war der große Flötist Jeremy Steig von der Bildfläche verschwunden. Über ein Jahrzehnt war nichts von ihm zu hören, erst in den letzten Jahren trat er wieder an die Öffentlichkeit...
Jeremy
Steig Quartett - "Flute on the edge"
Man erinnere sich: seit Mitte der 60iger Jahre hat Steig mit zupackendem Staccatospiel, Singen in die Flöte, Überblastechniken, dem percussiven Einsatz der Flötenklappen und einer sublimen Verwendung von elektronischen Effekten neben Eric Dolphy, Roland Kirk, Yusef Lateef und Herbie Mann Wesentliches zur Emanzipation der Querflöte im Jazz beigetragen. Mit Jeremy and the Satyrs schrieb er Jazzrock-Geschichte und war musikalischer Partner von u.a. Bill Evans ("What's new"), Art Blakey, Eddie Gomez, Paul Bley, Joachim Kühn aber auch Jimi Hendrix und Johnny Winter.
Steig hat nichts von der Magie seines sofort identifizierbaren Tons verloren. Sicher, er ist ruhiger, klarer, reifer geworden unverändert aber dieses elektrisierende funkig-bluesige Feuer, das wunderbare Gespür für das Wesentliche in der Gestaltung und eine Intensität, die tief berührt. Besonders meisterhaft kommen diese Qualitäten auf "Flute on the edge" in der Interpretation von "You don't know what love is" zum Ausdruck, einem der drei Nicht-Originals.
Seit 2003 existiert das Steig Quartet als Working Band. In Gitarrist Vic Juris hat er den Partner für seine aktuelle Schaffensphase gefunden. Juris ist zurecht einer der angesagtesten Vertreter seiner Zunft. Sparsam, diskret, ist er ein höchst einfühlsamer Begleiter und brillanter Solist. Cameron Brown und Anthony Pinciotti bilden die professionelle Rhythmusgruppe, die inspiriert und engagiert bei der Sache ist. Steig hat mit "Flute on the edge" das Feuer neu entzündet.
Herbert Federsel
CD: Jeremy Steig Quartett - "Flute on the edge" (Steig Music)
Jeremy Steig im Internet: www.jeremysteig.info
Cover: n.n.