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Jörg Schippa - "Rattle the cage"

An seinem Käfig gerüttelt hat Jörg Schippa mit Sicherheit schon etwas länger, und zwar aus Verzweifelung. Und das ist meine Schuld. Bereits im Januar nämlich bekam ich sein Album zugeschickt, und erst jetzt folgt die langersehnte Besprechung: Irgendwie war "Rattle the cage" sprichwörtlich untergegangen, quasi unter den Tisch gefallen. Erst eine Nachfrage seitens des Künstlers förderte es wieder zutage.

Jörg Schippa - "Rattle the cage"

Und das ist auch gut so, denn es wäre tatsächlich ungerecht dem Herrn Schippa gegenüber, dieses Werk nicht einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Dabei macht er einem den Einstieg nicht gerade leicht mit einer scharfen Noise-Attacke, die aber zum Glück nach zwei Minuten vorbei ist. Dann folgen plötzlich ganz andere Töne: wir verlassen das tägliche Dilemma von Stress und Hektik und werden in eine ganz besondere Musikwelt fernab jeglicher Klischees geführt.

Da paaren sich fast klassische Elemente der Kammermusik mit Jazz, da wechseln Komposition und Improvisation sich ab, brechen gelegentlich in eruptive Free Ausbrüche aus – keine Welt ist schließlich perfekt –, um dann schnell in moderatere Bahnen zurückzufließen, den Hörer zu umschmeicheln und tief in seinen Sog mitzuziehen. Aber zum Schluss, die Welt ist schließlich nur ein Puzzle, sind wir wieder am Anfang: Lärm und Hektik regieren, und die zarten Töne des Jörg Schippa kommen nur noch unterschwellig an die Oberfläche.

Dominant in diesem Album ist vor allem das Flötenspiel von Andreas Spannagel, das "Rattle the cage" ein ungewohntes und für den Jazz selten gehörtes Klangbild verleiht. Da muss man schon ein Weilchen zurückdenken, um sich dieses Instrumentes im Jazz zu erinnern, und der einzige, der es heute noch regelmäßig auch bei Konzerten benutzt, ist Altmeister Yussuf Lateef. Ungewöhnlich sind bei Jörg Schippa aber auch die anderen Instrumente: die Marimba von Franz Bauer sowie das Cello von Ulrich Maiss. Hinzu kommen dann noch die Klarinetten des Friedemann Graef und die Percussion von Uli Moritz. Alles in allem ist der Käfigrüttler ein spannendes und einzigartiges Werk im zeitgenössischen Jazz.

Hermann Mennenga

CD: Jörg Schippa - "Rattle the cage" (Phonector o. Nr.)

Phonector im Internet: www.phonector.com

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2006
erschienen: 6.9.2006
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