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Ben Goldberg Quintet - "The door, the hat, the chair, the fact"

Mit dem Schreiben, sagt Michel Foucault, schaffe er sich ein Labyrinth, in dem er Unternehmungen starten und ungezwungen einen Diskurs führen kann. Etwas Labyrinthisches wohnt auch den Kompositionen Ben Goldbergs auf "The door, the hat, the chair, the fact" inne, die Möglichkeiten vielfältigster Bewegung und Veränderung zulassen.

Ben Goldberg Quintet - "The door, the hat..."

Sie entstanden unter dem Eindruck des Todes von Steve Lacy, dem wichtigsten Mentor des Klarinettisten Goldberg. Mit einem ungewöhnlich besetzten Quintett (Klarinette, Violine/Stimme, Tenorsaxophon, Bass, Drums) spürt er dem Geist des großen Sopransaxofonisten nach.

Nahezu alle vorliegenden Stücke stammen aus der Feder des Bandleaders. Das Kantige, Vertrackte, Widerborstige, das so typisch für Lacy war, steht bei Goldberg weniger im Vordergrund. Dafür besticht das Album durch subtil-kammermusikalische Qualitäten. Virtuos treibt Goldberg sein Spiel mit Formen und Strukturen und nähert sich freiem Jazz, Hard Bop und vor allem europäischer Konzertmusik an, und lässt deutliche Bezüge zum Guiffre/Swallow/Bley Trio anklingen.

Im Ensemblespiel werden die Grenzen zwischen Komposition und Improvisation aufgehoben. Wie in seinem Großensemble Braninchild so ist auch im Goldberg Quintett dichtes Kollektivspiel bestimmend. Etwa in der dunklen Miniatur F13, die auf kontrapunktischen Linien aufbaut, und bei der die Violinistin Carla Kihlstedt auch als Vokalistin hervortritt. Der Steve Lacy Klassiker Blinks wird heftig dekonstruiert. Song and Dance wird von einem hart treibenden Beat getragen. .

Während die Musik Lacys vom Widerspruch gegen Bestehendes und einem lakonischen Gestus geprägt war, tendiert Goldberg zu einer eher kühlen Introvertiertheit. Und dennoch wohnt dieser Musik eine herbe Schönheit, melancholische Wärme und bewegende Intensität inne.

Herbert Federsel

CD: Ben Goldberg Quintet - "The door, the hat, the chair, the fact" (Cryptogramophone CG126 2006)

Cryptogramophone im Internet: www.cryptogramophone.com

Cover: n.n.

© jazzdimensions 2006
erschienen: 30.08.2006
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